Depression und Sexualität

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maria, Holzschnitzer

Berchtesgaden

26.11.2019 Die dissoziative Fugue

Jemand verschwindet, lebt Monate unter einer Identität, die jemand anders gehört, geht in Paris in die Cafe's als ein anderer, treibt sich in Sao Paulo herum, als eine andere, lebt anders, isst anders, denkt anders, liebt anders. Das Wissen um die frühere Person wirkt absent, der Genuss, das Denken sind ein anderes. Die dissoziative Fugue gilt als rätselhafte schwere psychotische Erkrankung. Was, wenn sie das gar nicht ist? Die feminine Möglichkeit ist das, worin sich ein Mann täuscht. Die Frau wählt: Sie kann sich dem Begehren eines Mannes einordnen ('unterordnen', 'anpassen'), lustvoll im sexuellen Körperdiskurs, religiös verkleidet im Tempel. Sie kann die Mutter für Kinder sein oder die Mutter für einen unbeholfenen, jugendlichen oder kranken 'Liebhaber', oder aber sie kann Phallus sein, als Modell, als Hostess, als Karriereprofi, als Entrepreneurin. Ich bin jemand, der ich nicht bin. Dissoziative Fugue. Oder: Ich bin hier nun jemand, der mehr ist als Ich. Dissoziative Fugue. Ich habe kein Kleid! Übersetzt: Ich habe nicht gewählt, ich bin in der Wahl unsicher, ich finde keine richtige Position: Ich unterstelle mich keinem Mann, ich kann nicht richtig mütterlich sein, ich habe keine Karriere. Ein wenig Schizoidie ist immer, selbst bei den redseligsten und kontaktfreudigsten, lächelnsten weiblichen Erscheinungsformen, manchmal nur wohnt sie, die Schizoidie im Nicht-Ich. Ich scheitere oder verweigere ein Begehren nach einer Position. Die Drehung: Jede Postion ist eine Enfremdung: dissoziative Fugue. Der Mann, dessen Begehren man sich unterstellen könnte, wird - weil maskulin - immer einen gravierenden Mangel haben, was über den Schmutz der Socken und seine Unzuverlässigkeit weit hinausreicht und sich nicht nur im Inhalt wiederfindet. Mütterlichkeit: Kinder nehmen sich einen leeren Platz, an dem nicht die Mutter sitzt - was zur Verrücktheit oder zum Trennungsgrund der Mutter als Frau wird, Liebhaber werden verrückt oder gehen. Phallus sein: Am Platz der Modellkarriere, am Ort der Karriere, da findet sich mehr Dreckarbeit, wie im Glanz ersichtlich. Möglicherweise ist der Weg des Mannes - maskulin - viel länger zur dissoziativen Fugue, wie der Weg einer Frau. Beide Geschlechter halten lange durch oder wiederholen sich,  durchhaltend, im immer Gleichen, ohne Dissoziation. Während der Mann mit dem Mangel umgehen muss, was vielleicht etwas weniger zur Dissoziation drängt, dafür sehr und anhaltend zur Dummheit, muss die Frau, muss sie mit der Leere in der Identität umgehen. Das 'Spiel' dafür, was Psychiater gerne mit Medikamenten ausschalten würden, ist die Dissoziation, die Fugue, eine andere zu sein, eine andere werden, unsichtbar sein, als andere sichtbar sein, geniéßen in dem Namen einer anderen. Während sich der Mann in vermeintliche, ideologische, regelhafte Sicherheit verirrt, auch männliche Frauen fliehen dahin, und - an diesem Punkt des Zusammenfallens depressiv wird, irrt sich die Frau in der Unmöglichkeit des Alleinganges, der Autonomie, die immer schon phallisch ist, die damit mangelhaft im Wesen ist und die Tür zur Leere erst recht aufreist. Die phallische Sicherheit demaskiert sich allein. In der dissoziativen Fugue, nun genau da muss man sich nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Damit wäre dann der Weg - freilich ein gefährlicher Pfad, mehr als ein blumiger Wanderweg - zum Sein aus dem Haben heraus beschritten.

 

 

Klimawandel und Psychologie.

Alles schon verboten.

 

Verbotschild am Tauglgries,

Bad Vigaun, Salzburger Land

 

18.09.2019 Klimawandel im Über-Ich

Das von Sigmund Freud erdachte Über-Ich, eine Gewissensstruktur, ist jene psychische Instanz, die das Ich, jenes Sprachwesen, das Wesen welches die Sprache oral nach Außen fließen lässt, zum Angeklagten macht. Kommandos kommen vom Über-Ich: Genieße (coca cola, mac donalds), schone die Umwelt, fahr kein hochmotorisiertes Auto, oder eben "töte", im Faschismus der Diktaturen. Die Form ist gleich, die Inhalte fluktuieren, variieren, hysteriesieren. Die Hysterie ist, das ein Vater fehlt, oder das ein entmachteter Vater zu Hause herumsitzt, manchmal ein empathischer Vater, der das Kind mit Liebe und ethischen Normen entmachtet, ihm einen Fahrradhelm auf den Kopf klebt, der so verleugnet, das er selbst ein Entmachteter ist und sich das Kostüm des ethisch Gerechten anzieht. So entstehen Monster und apokalyptische Vorstellungen. Saddam Hussein hatte keinen Vater; der Vater Adolf Hitlers war ein wahnsinniger Gewalttäter. Der scheinbar liebevolle Vater übt Gewalt subtiler aus. Wo die belustigte Reibung und Verführung mit dem Vater fehlt, dort tritt die Grausamkeit an, der Kampf ums Klima, um Lebensräume, gegen einen Partner, gegen den eigenen Sohn, gegen die eigene Tochter oder gegen die Ungerechtigkeit. Die Verwerfungen sind eine Legion.

Hier musste man nur noch auf die Psychotherapeuten warten. Im deutschen Psychotherapeutenjournal vom 13. September 2019 fordert ein Psychotherapeut, das man Patienten mit den psychologischen Verdrängungsmechanismen bei der Klimakrise bekannt machen solle, mit subtilen Methoden - Gesprächsführung, da - folgt man diesem neuen Herrn - das ein Problem sei, "das uns alle angeht". Wieso alle?  Da springen Hybris und German assertiveness schon aus dem Satz des Zwangscharackters, dem Negativ der Hysterie heraus. In einem gleichen sich alle zum Faschistoiden berufene Denkweisen und Kulturen: Sie wollen das Begehren des anderen auslöschen. Dies trifft dort auf Phantasie und Handeln, wo man sich- wiederum hysterisch oder zwangsneurotisch - über den anderen erheben und ihn dominieren kann. Danach haben nicht nur pubertierende Kinder ein ihnen unbekanntes Verlangen und Genießen, vor dem Hintergrund der sich generierenden Trieb- und Sexualangst, sondern auch jene Erwachsenen, die ihrem Über-Ich nachkommen wollen, um ihre Angst im Ich endlich einmal zu löschen, um dem Ich eine Macht, eine Bedeutung, einen Lichtschein von Sinn und Wahrheit zu geben. Es wirkt die Angst in der scheinbaren Vernunft, die in Apokalypsen führen will, jenes Klima im Über-Ich, das für viele in den nordeuropäischen Kulturen immer zu gut oder zu schlecht, eben nur nie Begehren ist, analog den Partnerschaften, wo der andere immer zu gut oder zu schlecht, zu nah oder zu fern, zu abenteuerlich oder zu zahm, zu unsauber oder zu pedantisch, immer zu verfehlt ist. Da es das Begehren des anderen gibt, bedeutet for future - für den Zwangscharakter - immer ein Nein zum Begehren, keine Zigaretten, keine schweren PS-starken Autos, keine Lustfliegerei, keine giftige Nahrung, keine Sexualität jenseits schriftlicher Verträge. Manche versuchen es mit offenen Beziehungen, die um nichts weniger in ein erloschenes Begehren führen, für das ADHS und Asperger schön formatierte Formeln sind, in denen sich Aggressivität neue Kleidungsstücke zugelegt hat, nicht die Schönsten.  Der Therapeut aus dem Therapeutenfachjournal, dessen völlig unbekannten Namen wir ignorieren, will nun eine "kosmische Perspektive" einnehmen. Dass wollten Heinrich Himmler, Erich Honecker, Josef Stalin und andere Zwängler auch. Der Kosmos existiert nur nicht. Kosmos, das bedeutet ein Weltall mit Sinn. Nur, das was sich zum Sinn macht, sich dieses Gewand anlegt, dass ist ein Sprachprodukt mit Bildanhang. Der Sinn wohnt weder im Weltall, noch in den Wolken oder in den Pflanzen, und gewiss nicht im lächelnden Licht der Psychotherapie. Der Traum der Apokalyptiker ist ein Handeln, das in seiner ganzen Performance erst die umweltverschmutzende digitale Welt erlaubt, ein Scoring-System: Stechuhren, Punktesysteme für soziales Verhalten (China), die - bis heute nicht offengelegte - Scoreformel der Schufa in Deutschland, Klimascoring des Einzelnen, dessen Anfang in der C02 Besteuerung schon erdacht wird. Klimaaktivismus verleugnet den naheliegendsten Gedankengang: Was wollen sie denn mit jenen Akteuren, mit jenen anderen tun, die - aus ebenso berechtigten Gründen, da es keinen Metadiskurs geben kann - also jene anderen, die kein Begehren haben, sich der Klimarettung zu unterstellen? "Die Zukunft, ist mir egal." Das Unbewusste kennt weder Verneinung noch Zukunft. Die Idee, das man aus Angst heraus kein Begehren zur Klimarettung habe, wirkt als die Psychologisierung der Welt in unserer Zeit, die in ihren erhitzten Diskursen nach "Haltung" ruft, aber auch dieser Ruf generierte sich in der Presse von 1933, und er schrieb sich nieder in der Presse der kommunistischen Dikaturen, deren Übermensch der ethisch bessere Mensch sein musste, er ist ein Signifikant in kosmisch-esoterischen Religionen, die sich immer schon für die Zukunft interessierten und versuchten die Welt zu psychologisieren mit einer universalisierten Sinndynamik, der imaginären Droge aller Zeitalter. "Haltung" foltern manche Chefs in ihren Etagen und Eltern nicht selten mit liebevollem Blick in die Kinderzimmer. Daraus ergibt sich dann, wenn die Hysterie sich einem anderen Thema in anderer Generation zuwendet, ein neuer Zwangsdiskurs, der wieder libidinöse Kräfte freisetzt, so das demonstrierende Mädchen und Jungs, Frauen und Männer von zwei Triebdynamiken beschleunigt werden, Sexualangst und sexuelle Wünsche, was eine libidiöse Aufladung ohne reale Realisation erzeugt, die Frustration und auch den Hass beschleunigt.

 

Sammlung antiker Götter, Sigmund Freud, Berggasse 19, Wien;

Sigmund Freud sammelte rund 3.000 antike Skulpturen und kleinere Gefäße. Sie befinden sich heute im Freudmuseum in London.

18.01.2017 Was aber ist DAS, Narzissmus, wenn nicht eine Blume?

Die Menschen, die täglich im Wasser der Handlungen herumpadeln, denken an Egoismus, Selbstliebe, Einbildung, Macht. Das führt verwirrt überall hin. Narzissitisch wäre nicht nur der wohlhabende Industrielle im Glück am Pool, sondern auch der Selbstmörder, der sich, für ein besonderes, letztes Nichts haltend, ins wirklich letzte Nichts stürzt, um sich noch hier, für die anderen als ein Nichts - in der Dynamik ÜberIch-Trieb - zu repräsentieren. 1898 bei Havelock Ellis und 1899 bei Paul Näcke taucht das antike Wort Narzissmus auf. Sigmund Freund, Liebender der Antike, Sammler der kleinen Antiken, spricht 1905 in seinen Schriften und dann, auf dem Konkress der Wiener Psychoanalytischen Gesellschaft 1909 davon. Seitem umkreist die Sprachverwirrung in Nebelwelten und klinisch-wissenschaftlichen Schattenformen den Begriff, zumeist zur Abwertung der anderen, wo man es schließlich Störung nennt. Beginnen wir nochmal. Mit der Industriealisierung, der Montagebänder in Hallen, zeigte sich eine neue Welt mit dem Kapital als Element des Genießens. Die alte Ambivalenz der Dinge wohnte nicht mehr auf dem Dorf, sondern in sich ausbreitenden Städten. Ein kleiner Kreis wurde größer, die Welle aber nicht kleiner, sondern weiter. Ambivalenz: hübsch und arm, liebend und hassend, feinsinnig mit Bildung geflutet und gewalttätig verstört wie Vicino Orsini trotz fünfzehnjähriger Geliebter, Wahrheiten als Lüge, ein A das nicht A ist und doch dort ist, das Böse als Wunsch einer Liebe, Behagen im Unbehagen des numinosen Schauderns.

Der Narziss widmet sich einer Sache nicht, der Ambivalenz, denn sein Interesse gilt der Besonderheit. Der Zwangscharakter, von dem ich immer wieder spreche, braucht die Macht für etwas anderes, wenn er damit den anderen auch noch soviel Gutes tut, Arbeit und Geld verschafft, Sicherheiten erbaut und Wege erweitert, Reichtum erschafft: Ihm geht es um das EINE, nur dafür braucht er die Macht, für die Auslöschung, den Holocaust im Sinne dieses erschreckenden Wortes, der Vernichtung der Ambivalenz, denn Ambivalenz ist Begehren und damit Ich-Verlust, Welten jeseits von Kalkülen und Machbarkeiten. Während die moderne Welt die Ambivalenz entdecken musste, weil sich ihr Lebensambivalenzfeld überall verbreitete, statt wie primordial weiter auf einsamen Bergwiesen zu wohnen, richtet die industrialisierte Postmoderne den Blick auf den Narzissmus, während der extremste Zwangscharackter unter dem Namen der Welterhaltung das Jetzt und nicht selten alle Welt im Hass auf die Subjektivität, die nicht das Ich allein ist, vernichtet. Das Ich ist immer schon die Vermengung der Urteile, Sicherheiten, Formationen vermeintlichen Wissens, von Einheiten und Wir. Da es die Ambivalenz nicht abschließen und nicht verneinen kann, wird es zur mordenden Instanz, wovon der italienische Sacro bosco, der Park der Monster des Herrn Vicino Orsini - Salvador Dali erlebte sich hier widergespiegelt - sein Zeugnis seit Vierhundert Jahren ablegt, denn die Denkverwirrung ist das, was der unbefriedigte Körper als anderer im Ich erzeugt, so Marlen Haushofer auf den ersten Seiten  >>Die Wand<<, daher der Hass des extremeren, nahezu paranoiden Zwangscharakters auf die Überwältigung der Sexualität, auf die Alterität, auf jenes Feminine ohne Muttersuche und jedes Subjektive, dass sich nicht unterwirft und doch nicht verneinend herrscht, weder Zeit, noch Fortschritt und Gewinn ersucht und erbittet.

 

Wenn der Narzissmus des Besonderen gelingt, sind seine Symptome der schöne Körper mit seiner Ophelia-Blässe oder dschungelgleichen Haut auf Rouge Dior oder Versace, das auserwählte Haus, der britische Aero Acht - schön wie eine glänzende Rüstung - oder anderes, das auffällt oder verborgen wird in und durch elitengleiche Seltenheit. Daran ist nichts Klinisches, keine Pathologie.

Beim Zwangscharakter ist das Symptom ein Auftauchendes, am Anfang in eine väterliche, paternale Figur gekleidet, dann als Wahn, Halluzination, Aggressivität bei blickdichtem Starren, einem Durchdringen, einer Sammlung und einer Forderung zu gestehen, von der Inquisition zum Mitarbeitergespräch im Monolog, das Neonlicht abstruser Fragestellungen. Das ist eine Linie auf der Neurose, die nur manchmal, vorhergesetzt, zur Psychose führt. Exzess im Wirklichkeitsverlust. Es sind Ideen im Delirium, die sich progressiv bis zum Zusammenbruch steigern. Vielleicht bewirkte gerade der Signifikant Nazi, das eine Linie zum Narzissmus verdichtet wurde, die real nicht dort im Narzissmus, sondern dort im Herrschaftsbereich des Zwangs, der Welteneroberung in Wissenschaft, Psychologie, Umweltschutz, religiöser Aufklärung und Technik verläuft, auf den Bahnen von imaginären Einheiten - Das Eine. Der Grund: Die modernen Verfahren wiederholen sich in imaginären Vereinheitlichungen auf der Basis eines Tabus, dass den Zwang als Lebensprojekt verkennt und als klinische Verdichung verwirft, damit man sich täuschend friedlich und möglichst ungefährdet im Schlaf vermeintlich klinischem Narzissmus widmen kann.

 

 

>>Der Tod<<, Krypta der einhundert Säulen im Dom zu Gurk, Kärnten, Österreich

12.01.2017 Genießen und Tod

Am 30.12. musste sich die Wissenschaftlerin Annette Bitsch dem tragischen Gemisch aus Macht und Körper im Versterben überlassen. Lacan denken heißt, von jenen Menschen zu denken, die das Genießen (Jouissance) evozieren, durch Texte, Körper (le jouir d'un corps), Bergwelten, Schattenblumen und Wasserfluten. Die andere Seite - eine verdrehte Ebene - bilden jene, die das triebhafte Genießen verteilen, aufteilen, umschichten. Sie genehmigen Urlaube, machen Gesetze, vergeben Stellen. Sofern sie gut darin sind, den einzigen Zug (le un) des anderen anzuerkennen, schaffen sie sich ein Überleben abseits von Hass, Wut und Aggressivität. Viele sind nicht gut darin. Die Zwanghaften versagen auf Dauer, kaum etwas jenseits der Versagung kennen sie. Jedes Ja enthält bei Ihnen schon die Versagung, der Fehler von Freud gegenüber Jung, der dem jungen Arzt somit ganz unfrei erlaubte sich nun dem Seelen- und Bildungskrempel der reichen Gelangweilten hinzugeben. Nichts lernte er im Exzess der Sexualität von Sabina Spielrein. Der Psychoanalytiker Jung dachte nicht,  er zählte. Don Juan zählt auch das, was sich nicht zählt, was nicht abzählbar ist. Der Gezählte weiß, das jenes Gezählte nicht geht, aber immer weiter läuft. Aber die Gezählten, bei allem hysterischen Gegenwillen, sind selbst immer Teil dieses Spiels, auch wenn sie die Positionen immer wieder wechseln wie die Bienen. Die Psychoanalyse erkannte, dass das Unbewusste das ist, was mich in das Feld bringt, welches Effekt ist. Der, welcher evoziert, gerät in die Position des Verteilers; der zuallererst Verteiler Seiende aber ist der, welcher in der Position des Evozierens - über das Unbewusste hineingeraten, im Realen aufgetaucht - nun alle Kraft im Ausbrennen verliert und viele Monate kraftlos zuhause sitzen muss. Die von Tieren und Menschen bewohnte Welt, die Tragödie, das ist die Mischung der Kräfte mit tödlicher Dosis.

 

 

 

Säule, Sainte-Marie-Madeleine, Vézelay, Frankreich

05.12.2016 Diplomatie der Skiapoden

Zerfallen die Ringe? Der morgenländische Herr*, osmanisch oder anders, der im Begehren und im Rufen der anderen schwimmt, wird getragen vom Wunsch, dass man die Ringe des Symbolischen, die Sprachringe und jede des Imaginären verbinden kann über die Hochzeit von Religion und dem Genießen im Konsumkommerz, wie auf den Boulevards in Luisail City, wo goldene Mobiltelefone beruhigt goldene Frauen spazierenführen, die großen Nachen mit glänzenden Rädern entsteigen. Der Westen erschöpft sich frohen responsiven Mutes, die Ringe mittels humanistisch ökologisierter Empathie fest zu verkleben, im Schuldwahn der elektrisch-rhizomatischen Schaumtechnologien, was mit sistierender Ruhe einherging, eine Ruhe, die dem Klangteppich der Wüste ähnlich war. Die Skiapoden, die sich vor dem Fluß des Begehrens als Herren im Zwang zu schützen versuchen, verkennen, dass das Ich selbst nicht Ordnung, Eindeutigkeit und Anpassung im Namen der Nation ist, sondern von Entropie heimgesucht wird. Wie die Ratte an der Säule nagt. Die Empathie, ökologisch, humanistisch, religiös oder therapeutisch, diese validierte, für gültig erklärte Grammatik versuchter Selbstgewissheit, scheitert, weil der sexuelle Körper, der kein Verhältnis im Metadiskurs, im Oberplan, im Schema ermöglicht, in keinem Bild integrierbar und auflösbar ist. Die Subjektivität des westlichen Menschen enthält hier die Angst, die Depression, den Krebs, alles vom Morbus Crohn über Tinnitus und Kopfschmerz. Im großen System des Morgenlandes droht das Scheitern der geringelten Ontologie, wenn der Wind im Konsumkommerz abflaut, womit das Bild, das Ich auf den großen Plätzen - die Sozialisten im Aufmarsch, die Faschisten im Lichtdom machten es vor - wie auch beim Depressiven des Abendlandes das Ich bejubelt wird, die jubilatorische  Aufnahme in der erwärmten Ruhe des mütterlichen Stubenbettes geprobt und vom rauen Vater als einem rächenden, die Schuld beseitigenden Herrn geträumt wird; Die Herrscher der großen Systeme, würden sie in all der großen glänzenden Selbstherrlichkeit am Ende immer der Passion des Realen, nach der Konsumsteigerung im Modus der Prosperität für den Kleinbürger, den Vorzug geben, um den Rest gelöscht zu haben? Der Herr, Ökologe, Diktator, Polizist oder Therapeut, glaubt zu wissen, strategisch den Rest löschend, womit er die Tür zum Abgrund des Realen erst langsam, dann immer weiter öffnet. In allen Varianzanalysen taucht der Rest wieder auf, die Libido, von der Freud - sich im Realen ängstigend - zu sprechen wusste, vor der ein jeder Herr sich bis zum Exzess fürchtet, weil diese Libido immer - wie die Ratte** an der Säule - insistiert. Der Herr, der an sich glaubt, ist in diesem Wissen selbst der Bote des Todes. In Vadim Kiselevs My Melancholy wird der Soldat am beschädigten Klavier in großer Kälte eine Zigarette  angezündet haben.

 

*Der, der sich zum Herrn macht, erfährt sich im Zwang; er will von seiner Abhängigkeit in Bezug auf die anderen - so lange - nichts wissen. So wähnt er sich unabängig im Unternehmen, im Staat, in der Partnerschaft. Gelegentlich, wie bei Hitler, findet sich ein Arzt, der ein Medikament gibt, das performativ den Wahn aufrecht zu erhalten erlaubt. Wenn die Kurve der Abhängigkeit sich umkehrt, verfällt der Herr zunehmend und recht rasch, da der Andere, der kleine andere oder der große Andere, irgendwann mit seinem Begehren intervenieren wird.

 

**In Encore, Das Seminar Buch XX, schreibt Jacques Lacan den Diskurs >>Die Ratte im Labyrinth<<, die man in der Kathedrale der Heiligen Maria von Vézelay am Sockel der Säule wiederfindet.

 

 

 

Giardina di Boboli (2005), Florenz; Skulptur von Igor Mitoraj, verstorben 2014

24.07.2015 Das ICH als Borderline

Im Jahr 1957 veröffentlichte Wilfred Ruprecht Bion im International Journal of Psycho-Analysis*, Seite 266 bis 275, einen kleinen Artikel. Borderline, die Unmöglichkeit zwischen scheinbar GUT und scheinbar BÖSE eine haltende Unterscheidung zu leben, verbreitete sich in der Welt. Die Verwerfung der noch heutigen Therapien besteht darin, dass das ICH einerseits eine intime Gedanken-, Traum-, Körper-, Gegenwelt ist, aber das es auch über sich spricht. Der Mensch, der ich bin,..., das Kind das ich war..., die Person die ich sein will...Wilfred Bion beschreibt, sagt uns, dass die Neurose im Psychotischen versteckt ist. Die Psychose dagegen, sie ist im Neurotischen versteckt. Im Borderline herrschen Affekte, die Einzelpersönlichkeit verschwindet, die Suggestibilität und die Identifizierungsneigung nehmen zu, das intellektuelle Denken wird narkotisiert, die Jouissance im Überschreiten aller Schranken übertritt wie eine Sturmflut die Ufer, es wird gehandelt. Die Masse um Hitler war Borderline, die Stöße, heftige Eruptionen, die Pulsionen der Konzertbesucher oder Oktoberfesträusche sind Borderline. Im Borderline wird das Symbolische zurückgelassen, von dem der Mensch in der Postmoderne geflutet wird, deren Risse im Symbolischen sich ihm aufdrängen, oder - im klinischen Bild, und hier realisieren sich zuhauf die Verwechslungen der Psychiater, Psychologen und Therapeuten - es, das Symbolische - wird vielleicht gar nicht erst erreicht, und doch, wirkt das Zurücklassen, das Fortstoßen des Symbolischen wie ein Magnetismus, ein Sog, eine Potenz, eine Droge, sofern einmal damit begonnen wurde. Blick, Gesicht, Name, Körper, Sexualität - zersplittert, als Verführung, bewegt sein, aufgedreht, radikal, verschmolzen, gefremdet getrennt, unerkennbar, partialisiert wie tausend scharfe und als Gegenwelt verschliffene Steine. In Deutschland waren die Nazikinder Borderline, deren Kinder nach dem Krieg alles daran setzten, ein starkes, kontrolliertes, diszipliniertes, dem Pragmatismus des naiven Alltags zugewendetes, der aufgeweckten Vernunft ergebenes Ich zu entwickeln, daraus entsprangen die Neurosen, der Pünktlichkeitswahn, die Sauberkeits- und Bioneurosen, der Regel-, Kompromiss- und Strukturwahn. Auf Konflikte wird nicht mit Entspannung im Lustprinzip, sondern mit Arbeit, Kontrolle, Dominanz reagiert. Die Psychologie entwickelte, als hysterischer Gegenwille zur größten Tragödie des Borderline mit den Millionen Toten des Krieges die Ich-Stärkung, die Idee der Anpassungsleistungen des Ichs, die Phantasmen des Selbstwertes und der Einheit der Person, der Integrität und Kohärenz in Selbstwirksamkeit und Selbstwert. Paradoxie: Auf Borderline wurde - das verstand der große Therapeut Kernberg vielleicht nicht bis zum Ende - mit Narzissmus reagiert. Im angepassten Narzissmus, der die Risse im Bild, im Imaginären nichtet, nivelliert auf eine glatten Spiegelfäche, da kehrt die Depression geradezu borderlineartig zurück. Aber auch der Psychiater Manfred Spitzer irrt, lässt sich hysterisch formulieren. Aufklärung ist kein Ausweg, sondern eine - wenn auch beruhigende - Einbahnstraße. Erfahrung ist symbolisierbar, aber damit schon immer eine andere, Jenseitige geworden. Eine symbolisierte, erzählte, geschriebene, gefilmte Erfahrung EX-SISTIERT bereits abseits der Borderlines, hat mit den Borderlines somit nichts mehr zu tun. Das Ich, das erzählt, ich bin...ich denke...lebt nicht. In den Büchern und Texten der Schulen und Univeristäten ist Wissen, nicht Leben. Aber Texte können - borderlineartig - durch Brüche, Abbrüche, Risse, Zerstückelung, auch in das Leben bringen. Das, auch das, vergisst die Psychotherapie bis heute, verwirft es, negiert es, besonders dort, wo der Wahn von Generationen nach "runden" Therapien, Interventionen, nach Verstehen, Kompromissen, Transparenz und Empathie ruft. Das Subjekt, das ist nicht das Ich, auch nicht der Trieb und nicht das Über-Ich, nicht das Gewissen. Das Ich, das ein anderer ist, ist auch nicht die Sprache, es ist vielmehr eine Struktur, eine funktionale wie in den Riefenpsychologien, sondern Teil eines Restes, der auch im Symbolischen, in den Sprachstrukturen niemals auflösbar ist. Durch Sprechen kann man vielleicht ein Trauma relativieren, in seiner Wirkung zurückdrängen, aber man kann durch Sprechen nicht zu um Ich werden, aber dann doch, durch ein unerwidertes Sprechen, durch den Widerhall des Sprechens sein fiktives Ich verlieren und dann, etwas anderes finden. Bis dahin freilich, schafft es kaum eine Therapie.

 

* Bion, W.R. (1957). Differentiation of the Psychotic from the Non-Psychotic Personalities. International Journal of Psycho-Analysis, Vol. 38, 266-275. 

 

 

 

Malta, Saint Julian's (San Giljan) mit Portomaso Tower, 2002

20.07.2015  Neurose und Begehren (désir)

Die Neurose, hysterisch, paranoid-zwanghaft, phobisch, bestimmt, strukturiert die Art und Weisen, die Szenen, wie man geliebt oder umgangen werden möchte. Übertragung sagen die Psychoanalytiker gerne. Der eine und andere möchte geliebt  werden als Retter, Heiler, Helfer, Wissender, Unterstützer, Freund, Bedankter, Erfolge Machender, Sexueller, Bestimmer, Besitzender, richtig und falsch Unterscheidender, Könner, Sportler, Künstler, Fremder, Besondere, Unterworfener, Führer, Mitmachender, Subversiver, Verhinderer, Richtungen Weisender. Der andere soll das wertvolle Objekt im Eigenen erwidern, damit es zum Sein und ES zum Genießen, zur Jouissance, DEM authentischen Akt im Realen gelangt, agalma im Gastmal bei Platon genannt. Aus den Neurosen ergibt sich die Hingabebereitschaft des Vereinzelten, an die größten Verrücktheiten, an die absurdesten Normalitäten im Zwang von Normen und Regeln, an Symptome, auf denen die Persönlichkeit verlebt wird. Neben einem geheimen, unbekannten Genießen, wenn der Wissende im Wissen zu schwimmen glaubt, wenn der Helfer glaubt im düsteren Teich der wenigen Möglichkeiten geholfen zu haben, wenn der Lebendigmacher Leben spürt, der Manager sich als Gewinnender und Realisierer, Wirklichkeit Machender erlebt, realisiert sich in der Neurose die Lebenslust, die Aktivität hin zu Erfahrungen, man liest neue Texte, man reist, man geht ins Kino, man macht einen Deal, man macht Liebe, man reinigt das Haus oder man macht Erfolg im Beruf. Die Gegenkraft, nicht Neurosen sondern Symbiosen, bringt die Bewegungen, die Fremdheiten zum Stillstand, sucht Einheit statt Differenz, meidet Flugzeuge, Schiffe, Menschen, offene wie geschlossene Räume oder die Sexualität. Die Symbiotiker klammern sich an ein Wissen, eine Theorie, eine Ausildung, eine Qualifikation, eine Lebensart, eine Denkweise, ein Vorgehen in der Arbeit, an festgelegte Termine und Versprechen. Zähe, symbiotisch klebrige Verdickung, geschlossene Präsenz sieht und erlebt den anderen nicht mehr, schließt ein und aus, verfestigt, dominiert im neurotischen Rest und wird zuweilen psychotisch, allein oder zu zweit. Die Symbiose schützt vor der unendlichen Angst auseinanderzufallen, in ein unendliches obszönes dauerhaftes Genießen zu fallen, aus der Zersplitterung und Gewalt nicht mehr herauszufinden. Der Symbiotiker ist nah an der Verrücktheit, dem Wahnsinn und schwimmt in der Angst verrückt, desorientiert, hilflos, ausgesetzt, erniedrigt zu werden, während der Neurotiker nur glaubt, nah daran zu sein. 

 

Anhang: Das Begehren kann niemals durch die Erfüllung irgendwelcher Bedürfnisse befriedigt werden. Die Neurose zeigt, wie ein menschliches Wesen mit seinem Begehren umgeht, ob es gelebt wird, geschuldet ist, verworfen, neutralisiert, narkotisiert, gesucht, phantasiert oder gefunden wird. 

 

 

 

Sirene und Phallus, Brunnen in Burgos, Spanien 2014

15.04.2015 Narzisstisch, Hysterisch, Melancholisch, Zwangscharakter, Border-Lines

 

Persönlichkeitseigenschaften (traits) prozessieren, oszillieren Verhaltensweisen, etwas zeigt ein Mensch immer wieder für den anderen. Es ist nicht überlegt, geplant, bewusst gedacht. Eigenschaften, entsinnte Signifikanten sind in die Persönlichkeit eingeschliffen, vergraben, wirken wir Ketten aus geklemmten Bausteinen, Gefühlen, Wahrnehmungen, Gedanken, sind im Grunde in ihrer Konsistenz unbewusst, durch Inkonsistenzen gegeben worden, für wen, wenn nicht für den anderen, von einem anderen einstmals gekommen, stellen sich in den Weg, maskieren verleerte Stellen. 

Im  Narziss will etwas - etwas Besonderes sein, vielleicht im Beruf, in der Familie, mit dem Körper oder mit einem Besitz. Der Leitsignifikant wird die anvisierte, die für ihn genießbare absolute Besonderheit sein. Im Melancholiker will etwas  Harmonie sein, gewärmt, gekuschelt, am Arbeitsplatz, in der Beziehung in der Familie oder im Alltag. Hysteriker wollen um jeden Preis beachtet, unabhängig in Abhängigkeit verstrickt werden. Sie suchen unbewusst die Unbefriedigung, von Befriedigungen träumend, versuchend, andere Menschen, denen sie Wissen, Können, Macht oder Schönheit unterstellen, subtil, offen - nur wenn sie sich gerade verlierend wiederfinden - ,  zu dominieren. Die Hysterien suchen einen Herren, um zu verzweifeln. Sie erzeugen bei anderen Menschen starke Gefühle, positive oder negative. Zwangscharaktere ertragen den Eigenwillen der anderen nicht, besonders, wenn dieser ihren Überzeugungen, Regeln und Ansprüchen zuwider läuft. Die Lebendigkeit der anderen verletzt. Miit lebenden Toten halten sie es aus, sich einfangen lassend von der Hysterie. Während es in früheren Jahren vor allem männliche Zwangscharaktere gab, die sich zeigen mussten, denen es an der Besserwisserei und Dominanz an nichts fehlte, lassen sich mittlerweise auch Frauen, zahlreiche, mit einem Zwangscharakter ins Leben befördern. Zwang und Hysterien sind, obgleich völlig unterschiedlich, wie zwei Dimensionen einer Form, Buchstaben, die ineinander fließen und springen können. Menschen mit Borderline zeigen extreme Verhaltensweisen (Ladungen genannt) in allen Feldern und Fluchtgassen, im Narzissmus, im Zwang, in der  Melancholie und Hysterie. Das ergibt Genialität oder Monströses zwischen Performance, Überschreitung, Destruktion, Frieden und Mord,  im Namen von Klaus Kinski, und hat bei einer positiven körperlichen Figur oder im Modus der Herrschaft etwas sexuell anziehendes, auf der Seite der Komplikationen, generiert die  Wut in den Kontrollverlusten, bei langfristigen, verbindlichen menschlichen Beziehungen auf den Feldern der Flüchtereien und Abgründe.

 

 

 

 

Gasse der Engel, Muros (Westspanien), 2014

14.04.2015 Die Täuschung der psychischen Krankheiten

 

Psychiater, Psychologen, Psychologische Therapeuten und reine Allgemeinärzte benutzen je nach Land zwei Bücher, um sogenannten psychische Krankheiten zu diagnostizieren, das ICD-10 oder, vor allem in Amerika, das DSM-IV. Nun gibt es in Amerika das neue Buch DSM-V. Das Besondere am DSM-V ist, das es nun wieder einmal vielmehr scheinbar neue unterschiedliche psychische Krankheiten geben soll. Allgemein gilt, das Menschen die ihr Gedächtnis, ihre Konzentrationskraft und Lernfähigkeit in der sozialen Welt der Mitmenschen angepasst benutzen, die Gedanken und Gefühle anderer Menschen einigermaßen in ihren Gedanken simulieren (Mentalisierung genannt) und durchschnittliche Konflikte ertragen können, ohne vollkommen auszurasten (Impulskontrollverlust), nicht psychisch krank sind. Warum soll es trotzdem mehr psychische Erkrankungen laut DSM-V geben? 

Das Problem ist einseitig in seinem Grunde mit einer menschlichen Denkkonfussion behaftet. Was dem Denksystem des alltagsversöhnten Fremdmenschen nicht anhaftet, ist, das die neuronalen Systeme im Kopf nicht einvernehmlich freundlich zusammenarbeiten, gegenläufig sind, sich durch Spaltungen, Risse, Disharmonie, Inkohärenz und Gegenläufigkeiten auszeichnen. Das menschliche System der bewussten und unbewussten Subjektivität funktioniert sehr gut, weil die Systeme außerordentlich schlecht aufeinander abgestimmt und intern bizarr sind. Jeder katholische Mönch kennt das Phänomen. Er will sexuell abstinent leben, hat aber in der Nacht genau aus diesem Grund die aufregensten Träume, die viel besser sind, wie jene des sexuell gelangweilten, in der Schule aufgeklärten Kleinbürges im westlichen prosperierenden Industriestaat.

Das DSM-V spiegelt somit eine Wahrheit wieder, die es selbst aber nicht anerkennt. Seelisches Leiden steht gerade nicht im kurvigen Widerspruch als Gegensatz zu blumig frühlingshafter seelischer oder psychischer Gesundheit. Die Verfasstheit der menschlichen Seele oder Psyche ist eines nicht, nämlich gesund, so das man in innerem Einklang - wie sich das einige berufene Heilpraktiker und Esoteriker vorstellen - mit sich selbst und den wichtigen anderen seinen Fähigkeiten, Talenten und den Lebensanforderungen  nachkommen könnte, was real einem psychischen Verglühen gleichkäme. Die reals niemals mögliche Gesundung der menschlichen Seele würde nichts verbessern, sie würde die Abschaffung des Menschen bedeuten und ihn in einen toten ungespaltenden, einsseienden Emotionsautomaten verwandeln. Psychische Dysfunktionalität, die klassische Neurose sind keine Sonderfälle abseits seelischer Gesundheit, sondern der konstitutive menschliche Durchschnittsfall, weil es die Sprache gebem müsse. So gibt es in der Körpermedizin tatsächlich Fortschritte, die in der psychischen Therapie auch durch neue und immer wieder neue Therapieverfahren niemals gegeben sein können. Der wissenschaftliche Fortschrittsbegriff, in dem das Subjekt ausgeschlossen ist, erscheint für psychische Systeme vollkommen untauglich, ja symbolisch absurd und zum Teil faschistoid. 

 

Ist die Psychotherapie unsinnig, wenn die Neurose der Durchschnittsfall ist, wenn diese überhaupt erst notwenig ist, um ein Mensch zu sein? Psychotherapie ist eine der genialsten menschlichen Erfindungen in der Subversion der Menschensprache, die ihn von dem gefremdenten s-ich (>>sich<< selbst / Ich), vom Begehren eines einzigen Zuges (s)wegführen kann, nur keine Technik, um im Sinne der Glossare wie DSM-V die psychischen Phänomene des Absurden, Widersprüchlichen, Zerissenen und des Nichtfunktionellen zu negieren. Ihre Genialität zeigt sich an anderen Orten, kann aber auch in andere Abgründe führen. DSM-V und ICD-10 sind Bücher des Gegenwillens hinsichtlich des psychischen Abgrundes. 

 

 

 

 

Sockel an der Kathedrale von Chartres; Zerstörung der weltweit schönsten Kathedrale 2014/15 durch Restauratoren

16.02.2015  Die psychologische Matrix

 

Für jeden psychologischen und damit seelischen Vorgang braucht es ein Agens, ein auslösendes Moment, ein Ereignis, einen Signifikanten. Ein solcher Signifikant kann eine Forderung eines Vorgesetzten, eine bevorstehende Prüfung, eine Grafik, ein Film oder ein Beziehungsangebot sein. Die Möglichkeiten sind hier potentiell unendlich. Der Signifikant schlägt bei einem anderen Menschen an und ein, der sich zufällig und damit eben als reine Folge eines irgendwie und einstmals in Gang gekommenen Effektes eben an diesem Platz des Einschlags befand und für genau diesen Signifikanten empfänglich, vulnerabel, sensibilisiert und damit eben verletzbar war. Ein ehemalige Soldat wird von dem Bild einer Schießbude auf dem Jahrmarkt getroffen. Das Bild, der Signifikant sieht ihn. Er wird von diesem Bild gesehen. Nun tauchen alle Bilder des Krieges, alle Gerüche, Szenen wieder auf und dem Mann passiert nun das Verdrängte erneut im Realen, an diesem Platz wo er gerade steht. Wäre ich nicht 11.30 Uhr an der Kreuzung gewesen, hätte mich das fahrende Auto nicht erfasst, sagt ein Unfallopfer. Das, was am Platz des Agenten etwas auslöst, das Ereignis, die Schießbude auf dem Jahrmarkt, das Heranrasende Auto das mich erfasst, all dies ist bewusstseinsfähig, ist bewusst und nicht etwa unbewusst. Auf das Agens, die Schießbude, das Unfallauto, reagiert derjenige, der Betroffener sein wird.

Es gibt vier Möglichkeiten, die sich produzieren oder sich verlieren: (1) Flucht: Wer viel Geld oder die richtigen Beziehungen hat, der kann fliehen, aus einem Kriegsgebiet, von einem Arbeitgeber, aus einer hässlichen Gegend, aus einer Krankheit zurück in die Gesundheit. (2) Kampf: Man kann gegen einen Signifikanten ankämpfen, wie der Traumatisierte gegen den Kontrollverlust, wie der Kranke gegen den Krebs, der Arbeitnehmer gegen den Chef, der Rebell gegen den Staat. Wissen, Sprache, Bilder, Fäuste, Geld, Technik und hysterische Krankheit können die Variablen im Kampf sein. (3) Harmonisieren: Nicht wenige Menschen versuchen das Agens zu harmonisieren: Der Kranke fragt sich, was ihm die Krankheit sagen oder vermitteln will. Die Ehefrau im Konflikt treibt den Partner zur Eheberatung. Der Streit im Team soll mittels gemeinsamer Konfliktgespräche, Erklärungen und Kompromisse, zuweilen Supervision genannt, beigelegt werden. (4) Stillhalten: Man schaut weg. Das Unfallopfer blendet das fehlende Bein aus, bezieht sich in seinen Alltag nicht weiter auf seinen Verlust. Der Ehemann schaut weg, wenn seine Frau die Kinder abwertend behandelt und ihn bevormundet. Der Polizist übersieht die Gewalttat, weil sie von seinem befreundeten Nachbarn verübt wird. Das Team übersieht den gravierenden Konflikt zwischen einem Teammitglied und der Chefin. Alle vier Modi der Handlungspraxis laufen unbewusst ab. Normalerweise entscheidet sich der Alltagsmensch im Querschnitt seines Lebens nur selten bewusst für eine Handlung als einer Strategie. Ob ich die Flucht, den Kampf, das Harmonisieren oder das Stillhalten wähle, ist immer schon über mich entschieden worden, ist unbewusst. Ich weiß garnicht was ich da warum tue.

Die Matrix hat somit zunächst drei Plätze: (1) Agens mit dem Signifikanten, (2) den Platz, den ich gerade selbst einnehme mit meiner Persönlichkeit, meinen Verletzbarkeiten, Phantasien und Wünschen, (3) den Platz an dem sich ein Etwas produziert oder verloren wird: Flucht; Kampf; Harmonie, Stillhalten. Nun gibt es in der Matrix noch einen vierten Platz, den der Wahrheit.

Was ist die unbewusste Wahrheit eines jeden menschlichen Subjekts? Die Wahrheit lautet, das ich im Leben soviel fragen kann wie ich will, so viele Bücher lesen und Therapien machen kann, wie ich denke, aber ich werde niemals eine Antwort auf die menschliche Frage bekommen, ob Flucht, Kampf, Harmonie oder Stillhalten richtig oder falsch sein werden. Jede Strategie zeigt ihre Wahrheit erst im Nachhinein (retroaktiv). Das bedeutet, das jedes menschliche Wesen immer ein innerlich, psychologisch zerrissenes Wesen ist, zerrissen, gespalten und dezentriert zwischen Flucht, Rückzug, Weglaufen - Kämpfen, Erobern, Verführen, Aneignen, Abgrenzen - Harmonie, Einheit, Frieden, Versöhnen - Stillhalten, Ignorieren, Isolieren, Ausblenden, Verdrängen. Für diese Zerrissenheit und Spaltung gibt es, wenn sie sich als Frage zeigen, keine Antwort, keine Regel, keine Lösung, keine zufriedenstellende und beruhigende Theorie. 

 

 

 

Drachenfliegen extrem; Dune du Pyla, französische Atlantikküste, 2014

19.01.2015   Die imaginäre Lust des Narzissmus

 

Im Wahn des Alltagsdenkens gelten narzisstische Menschen häufig als Egoisten, unsozial, nur sich selbst sehend und erlebend, die Bedürfnisse anderer ignorierend. 

Tatsächlich ist die Umwelt eines Menschen von Anfang an katastrophisch strukturiert. Zuviel Liebe und Fürsorge ist erdrückend, erregt Ekel, generiert ein Gefängnis aus Imaginationen, aus Gefühlen in denen der eine dem anderen alles sein will und doch selbst sein will: Anorexia mentalis. Zuwenig Liebe könnte die Suche nach Absolutheiten generieren. Jean-Baptiste Grenouille, der große Protagonist im Buch >>Das Parfum<< will nicht nur die anderen unter seiner Kontrolle wissen, er will sich selbst in ihnen finden und auflösen. 

Im Narzissmus sucht sich das Menschenwesen, in Reaktion auf die wahnhafte Alltagswelt, Objekte, mit den es sich befriedigen kann, andere Menschen, Berufe, Titel, Häuser, Urlaubsreisen, Freude, Autos oder absurde, bizarre Werte und Normen.  Das ist zwar verrückt, weil es gilt um den Mangel des Objektes zu wissen und doch zu verleugnen, führt aber zur Vitalität, zur Lebendigkeit in den Sehnsüchten nach der oder dem anderen, der nicht ertragen wird.

 

Der Melancholiker verleugnet nicht etwa den Mangel der Dinge, sondern er bekämpft ihn mittels Arbeit und Harmoniesucht. Die Ordentlichkeit ist ihm das Objekt seines Lebens. Aus der Verordentlichung seines Lebens und des Lebens der anderen baut er seine ermüdenden Lebenspläne.

 

Der Zwangscharakter weigert sich strickt, absolut renitent und im Höchstmaß rigide, aus dem Mangel ein Begehren zu beziehen. Seine Abwehr besteht darin, es besonders gut machen zu wollen. Dadurch tritt der Mangel aber nur noch offener zutage, was bei ihm aber keine Lust an der Lebendigkeit generieren kann. Ihm ist nie klar, ob er nun eher tot ist, sein Leben vergeudet oder lebendig sein könnte. Vor der Lebendigkeit des anderen ekelt es sich ihn ihm. Narziss und Zwang sind zumeist kein gutes Paar, wenn sich sich treffen am Nichtort der Psyche und ihrer Leerstellen, den unbesetzten Plätzen, in denen sich die Signifkantenhöllen zeigen. 

 

 

 

Todesküste zwischen Eckmuhl und Notre-Dame de la Joie (Bretagne), 2013

12.01.2015   Zauberwort "Psychodynamik"

 

In Deutschland gibt es genau drei psychotherapeutische Schulrichtungen, deren Behandlungen Krankenkassen oder Rentenversicherungen vollständig, also ohne jede Zuzahlung des Patienten bezahlen. Diese Finanzierung von Psychotherapie ist nahezu einzigartig auf der Welt. 

Die Schule der Verhaltenstherapie kennt den Begriff der >>Psychodynamik<< nicht. In der Schule der Tiefenpsychologie gehen Theapeuten im Grunde davon aus, das unempathische, unkalkulierbare, das Kind entwertende Eltern Entwicklungsschwierigkeiten verursachen. Später komme es bezüglich der eigenen und fremden Wünsche, der Fähigkeiten bezüglich Autonomie und emotionaler Nähe, emotionaler Sorge und Versorgung sowie im Bereich des Selbstwertes und der Sexualität zu Problemen oder sogar zu Störungen. Die Ideen von Normalität und Abweichung (Störung) sind in der Tiefenpsychologie sehr präsent, deren Gipfel Bücher sind, die sich Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik (OPD) nennen und seit 1996 existieren. Psychodynamik meint das Zusammenwirken von Kindheitserfahrungen und den aktiven oder vermiedenen Reaktionen darauf, das Verhalten im Alter des Erwachsenen. 

Die dritte Psychotherpieschulrichtung nennt sich Psychoanalyse. Die größte Gruppe der Psychoanalytiker sind jene, die sich der Ichpsychologie oder Objekttheorie verglaubt haben. Im Grunde geht es hier um ein stabiles oder starkes Ich, das zwischen den sexuellen Triebansprüchen und Wünschen, den Anforderungen und Gesetzen der Kultur und den eigenen Zwängen, Geboten und Gewissensansprüchen ausgleichend vermitteln kann. Eine zweite Psychotherapieschule, die in Deutschland absolut selten, eine kaum auszumachende Minderheit darstellt, sind jede, die sich auf den verstorbenen französischen Psychoanalytiker Jacques Lacan berufen, der einigen Menschen als größtes Genie in der Welt der Psychotherapie nach Sigmund Freud gilt. Diese Gruppe geht davon aus, dass das menschliche Ich ein paranoisches System, eine Form der Täuschung und Narkotisierung, ein Prozess des lebendigen Verschlafenseins ist. Das Ich sorgt im Grunde dafür, das man wie ein Lebender Toter durch das Leben auf eingezeichneten Wegen dahinläuft. Psychodynamik erschließt hier keinesfalls einen Weg zur Heilung, Besserung oder gar zum Lebensglück. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass das Unbewusste ein System ist, das (wahres) Wissen beeinhaltet. In der Therapie tritt man, was man selbst im Grunde auf der Basis des eigenen Ichs auf keinen Fall tun will, in diese Welt des Wissens zunehmend ein, ähnlich wie die Protagonisten im Film Matrix. Die Lacanschen Therapien sind jedoch selten, laufen aber auch unter dem Stichwort Psychoanalyse ab, was den anderen nicht gefällt. 

Den Zwangscharakteren, jenen Menschen die gerne in Denkgewissheiten, Identitätsgewissheit und Vollständigkeiten schwimmen, ist die Lacansche Psychoanalyse in der Regel absolut verhasst, während sie ihr Glück in der Tiefenpsychologie oder in der Esoterik suchen, wo das scheinbare Glück sich vermutlich behaust hat. 

 

 

 

Schild am Berg von Finisterre (fin de la tierra); Spanien 2014

29.12.2014  Der Irrtum der Intelligenztests

 

Intelligenz ist die Fähigkeit sehr schnell komplexe Aufgaben zu durchdenken, für eine Aufgabe definierte und damit relevante Stimulie zu endecken und in Beziehung, Relation und Zusammenhang zu setzen. Dazu muss man Kategorien bilden und zuordnen sowie abstrakte Kalkühle prozessieren können. Da in der Schule Aufgaben strukturiert vorgeben werden und in Tests unter Zeitnot zu lösen sind, spielt Intelligenz hier eine eben nicht unbedeutende Rolle. Ob sehr hohe Intelligenz allerdings bei wirtschaftlichem, kulturellem oder zwischenmenschlichem Erfolg eine Rolle spielt, konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. In besonders schweren Tests mit ausgefeilten Stimuli erzielen Savants (Menschen mit einer merkwürdigen Inselbegabung), Personen mit Asperger-Syndrom, Autisten, Personen mit hohen Ladungen im Bereich Schizoidie zum Teil außergwöhnliche oder eben sehr gute Ergebnisse, obgleich sie in den Bereichen der Wirtschaft, der Bildung oder im Sozialen keine Erfolge erzielen. Dasselbe trifft gelegentlich auch auf Frauen mit der Essstörung Anorexia nervosa (Magersucht) zu. 

Neben dem Intelligenzquotienten sind andere Variablen offensichtlich von Bedeutung: ein (potentiell) uneingelöstes Begehren, Leidenschaft, Obszession, Disziplin, Ordnungsschemata, Mentalisierung (Simulation der möglichen Perspektive anderer beim Handeln, Denken und Fühlen), Strukturen aus (hysterischem) innerem Gegenwillen, einsetzbare Rhythmen aus affektiver Distanz und Resonanz. 

 

 

 

Der psychotische Zwangscharakter Daniel Paul Schreber (1842-1911)*

08.12.2014   Psychotherapie auf "Spitzenstandard" oder orgiastische Hirninsuffizienz? 

 

Am 19.09.2014 veröffentlichte ein angeblicher Patient unter dem Synonym FCA1907 auf Klinikbewertungen für die >>Acura Fachklinik Allgäu<<**, Abteilung Psychosomatik, eine luzide und doch auch numinose Wortmeldung: "Besser geht es nicht! Moderne Psychotherapie auf Spitzenstandard....Klares Konzept, welches von jedem Teammitglied durchgeführt wird.

Paranoide Zwangscharaktere neigen offensichtlich zur Einfältigkeit im Namen einer Gewissheit, die sich, wie schon bei dem berühmten psychotischen Leipziger Gerichtspräsidenten Daniel Paul Schreber und seines Psychiaters Paul Flechsig - im Geist von Größenwahn und Omnipotenz manifestiert. Etwas das "Spitze" sein könnte, schließt Standardisierung aus. Qualität dagegen ist immer das, was ein System messen tut und definiert sich an Parametern, die, zumal entsubjektiviert, hohle Götzen darstellen, so wie jede Vaterfigur, die eines Tages über die Liebe hinaus vom Kind entzaubert wird, damit man denken kann. Die Zwangsneurose will immer schon "klare Konzepte", um dann um so erhabener in die Vernichtung einer Welt umzuschlagen. Qualitätsmanagementberichte, Rankings und Fragebögen sind stets schon Teil dieser Weltvernichtung vor dem Umschwung aus dem noch Symbolischen ins Reale. Qualität als prekäre phallische Phantasievorstellung: Mit einem Landrover Defender, der bis Anfang 2015 noch für den Ausschluß von Standardisierung und Qualitätsmanagement stand, kommt man locker nach Kapstadt oder Peking und auch wieder zurück im Rahmen von drei Monaten Urlaub, wovon das Personal dieser Fachklinik wohl nicht einmal träumen darf. Standardisiert behandelte Subjekte nach therapeutischen Richtlinien und fett gedruckten verbindlichen Strukturen, geschmiedet aus Dominanz, werden im Psychologischen auf entsubjektivierte, erregungsfreie, mortifizierte Schrecklichkeiten im öligen Schein von Bindung, Beziehung und Begegnung reduziert, was aus den Zeilen von FCA1907 unter dem Schweigen der Anonymität deutlich hervorzugehen scheint. Wohin kommt man damit nur? In die Welt der Nummern, Buchstaben und lachhaften Aufführungen, niemals aber in die Welt der Lebendigkeiten, der Strukturlosigkeiten und Erregungen, nicht in die Träume, nicht in das Begehren und die Sexualität,  nicht in die Unbewusstseinszustände, die paradoxes Leben sind. Die Zwangscharaktere träumen unruhig, in ihren psychosenahen Dimensionen wird es schmerzfrei lebendig, weil sie im Realen wie lebende Tote sind, in deren ermächtigter Anwesenheit stupide, monologische Statements sich produzieren.  

 

*Der Vater des Gerichtspräsidenten Schreber, der die berühmten deutschen Schrebergärten initiierte, die bis heute von öbszönen Regelwerken und Verhaltensnormen geflutet sind, wollte - was schon faschistoid anklingt - neue, hygienische, sportive, entsexualisierte Menschen hervorbringen.

 

**Nachtrag vom 05.03.2017 Die Acura Klinik Pfronten - wie am Ende der Diktaturen - ist am Ende, schon seit 2016 insovent, nun wieder mal verkauft, Spitzenstandard im qualitativ hochwertigen Versagen, Verdummung als Leistungsniveau von Froschpaarung. Ein Protagonist im Gefängnis, zwei ganz Große entlassen, bewerbungstechnisch gescheitert. Diktatoren müssen immer wachsam sein, Verhöre des Personals durchführen. Wenn sie nachlassen, entgleitet ihnen alles, das Lacansche Objekt klein a ist durch keinen Diktator mit seinen Anbetern für Ewigkeiten zu kontrollieren.

 

 

 

Paris, Strawinski-Brunnen (Tinguely-Brunnen), Skulptur von Niki de Saint Phalle

24.11.2014  Der Westen und der psychologische Humanismus 

 

An vielen Orten wird gerne mit dem Humanismus geprahlt. Wo ist die Wahrheit des Humanismus, der zuweilen gar nicht humanitär, sondern vielleicht einer jener Gipfel an Bösartigkeit sein könnte? 

Humanitär ist es, im Realen zu helfen, einer Bäuerin in der dritten Welt einen Kredit zu geben, eine Schule zu bezahlen, eine Sache der Großbanken und Konzerne, die das Humanitäre stets allzu schnell verpassen. Humanismus ist dagegen der Glaube an einen Fortschritt, eine Weiterentwicklung des Menschen, eine proklamierte Verbesserung seiner seelischen Eigenschaften und Möglichkeiten. Was ist das Wahnsinnige der Humanisten, die so gar nicht humanitär erscheinen? Der gläubige Katholik hat Kraft des Glaubens immer seine unbarmherzigen Zweifel und genießt seine Rituale, den Rosenkranz, die Kapelle und Orgel und mehr noch seine nächtlichen Träume und die tagträumenden Bilder der Überscheitung und Transzendierung. Die alten Kirchen sind voll gehängt mit lustvoll schmerzenden Bildern unendlicher Hingabe. Die neuen Kirchen sind tote Kirchen, so tot wie die Gläubigen darin, die gerne bunte Kinderbilder aufhängen, die häufig keinerlei Lebendigkeit einbringen, sondern Infantiles. 

Der heutige postmoderne Mensch, skeptisch und tolerant, ökologisch orientiert und denkend, gut ausgebildet und Tiere gerne schützend, versucht das Erlaubte zu machen, feine Sexualität, Mitgefühl, Verständnis und richtige, gerichtete Leistung am Arbeitsplatz. Bei dem derartig postmodernen Mensch entsteht ein obszönes Über-Ich, ein faschistoides Gewissen. Ein solches Gewissen bestimmt nicht über die Ausübung und Unterordnung unter einen Befehl und dessen Überschreitung und Nivellierung, sondern es bestimmt darüber, was der Mensch wollen und gerne tun soll. Er soll gerne und befriedigt arbeiten, er soll es wollen, das sich die Liebe einverständlich gestaltet und er soll immer den tiefen Wunsch empfinden sich im Auto anzuschnallen und nicht im Parkverbot zu halten, in seiner zu wollenden Liebe zur Vernunft soll er auch nicht Rauchen und sonstig Ungesundes wünschen. Der postmoderne westliche Mensch soll es sogar innerlich wünschen, beziehungsfähig zu leben und sich psychisch weiterzuentwickeln. Der neue Mensch des Westens soll der Weltmensch des Humanismus sein. Bei einem solchen Menschen ist das unbewusste Gewissen, das Über-Ich voller radikaler Verbote. Dieser Mensch lebt wie ein lebender Toter, was an den westlichen Politikern sofort auffällt, ein Wesen, das als Untoter der Welt seine schönen Gesetze zum Energiesparen und zur Erziehungspraxis diktieren möchte. Damit ist er seinem Spiegelbild, dem religiösen, radikal terrorisierenden Fundamentalisten aber sehr nahe. Dieser darf, weil er sich selbst als den Befehl Gottes erlebt, alles tun. Der Humanist erlaubt sich, den mit Liebe formulierten Befehl zur Beziehungsfähigkeit anders und doch im selben Feld zu formulieren: Sie wollen doch, das es Ihnen besser geht! Wenn Sie meiner Spur folgen, die wissenschaftlich fundiert ist, werden Sie ihren Wunsch erfüllen können, die Beziehungen werden besser, so die narkotisierende Vertäuschung. Am Ende steht dieser humanistisch-psychologisch behandelte Mensch wiederum vor TOTEN Beziehungen und schiebt in seinen schnaufenden Atemzügen die Aggression mit seinen Objekten den noch wirklich Lebenden in die Schuhe. 

In humanistischen Institutionen fällt eines auf, die Rate der äußerlich vollzogenen oder inneren Kündigungen, solange es nur die Möglichkeit dazu gibt.  Die Humanisten sagen, es läge daran, das die anderen noch nicht soweit seien, die großen Ideale zu leben. Darin täuscht sich der Humanismus und negiert das, was sich humanitär nennt. 

 

 

 

 

Bildsimulation im Benediktienerkloster Admont, Steiermark (Österreich)

24.09.2014 Beziehungsvollendung

Vor einigen Jahren hatte ich das Glück und Unglück, zwei Menschen zu erleben, die in ihrer Partnerschaft, als einander intim verbundene, eine Firma führten. Die Firma, das Dritte, hätte man glauben können, sei in der fatalen Dualität der Beiden, ein Psychoseschutz, was für einen der Beiden sicher zutraf. Nun können Zwei, die sich eine gemeinsame Drei schaffen, die Firma, das Kind, die Therapieschule, nicht dem Imaginären mit seinen Übertragungs- und Lockrufen ausweichen, wenn das Dritte in seiner Form einer Irritation vernichtet wird. Familien werden bekanntlich dann paranoid oder gegeneinander aggressiv, wenn das Kind nicht mehr stört. Die Vollendung der Zweierbeziehung, so war es eben auch in diesem Fall einer Firmenführung, stürzt auf den Achsen des Imaginären in die Folie a deux. Wer glaubt, es handele sich hier um eine Krankheit im Leiden, täuscht sich über das radikale Genießen, das zwei in der gemeinsamen Verrücktheit für sich realisieren. Nur in speziellen Psychosen und wahnhaft paranoiden Realitätsverlusten sowie sexuellen aber auch aggressiven Überschreitungen finden sich Formen des Genießens, die in einigen Varianten auch etwas malignes, etwas radikal Böses enthalten. Bei der Folie a deux werden obskure, bizzare, obszöne Bedeutungen im Modus der letzten Wahrheit verkündet, als Firmenphilosophie, Pädagogik, Religion oder Psychotherapie. Der Ausgang aus der Folie a deux, der vollendeten Beziehung führt zum Mangel des Objekts, zur Andersheit, zum Verlust imaginärer Wahrheiten, nicht zur Unlust, aber nicht zum phallischen Genießen, das ein anderes ist, deren hysterische Anteile anders verschoben wurden. 

Treppenaufgang zur Praxis von Sigmund Freud, Wien

20.08.2014 Psychologie als Seenotrettung

Das, was irrtiert, ist der Gebrauch.

An der See lässt es sich beobachten: Es gibt Eigner von Segelbooten, die fast immer im Hafen liegen. Das Boot als beruhigte Behausung, als stillgelegtes immobiles Campinghaus. Die Besitzer leben ein Leben der Unauffäligkeit. Menschen leben gleichförmig dahin, ohne das, was da wäre, zu benutzen. So wird man nicht groß erkranken, nicht viel erleben, nicht irritiert. Das Meer benutzt nicht das Boot, das Boot benutzt den Hafen, so wie das Ich nicht von der Welt und den anderen benutzt wird, aber die Welt in der häuslichen Enge benutzt, wie das Ich als Es einen Urlaub zuhause macht, in Deutschland, von Zingst bis ins Allgäu, Bekanntes, Verlässliches, Zugehöriges, Verstehbares, Erwartbares. Dann gibt es jene Eigener, die ihr Boot überschätzen, damit in Unwetter segeln, denen das Boot nicht gewachsen ist - ein psychosomatisches Problem. Sie brauchen die Rettung, werfen dem Meer vor, das es über ihr dafür nicht konstruiertes Boot herfällt. Die dritte Gruppe sind jene Bootseigner, die ein sturmtaugliches Boot besitzen, es aktiv benutzen, aber nicht über die Kenntnisse, Erfahrungen und Befähigungen oder neurotischen Eignungen verfügen, um ihr sehr taugliches Boot durch den Sturm zu bringen. Die schönsten Yachten liegen gestrandet an den Rändern der Meere oder versunken auf den in der Welt verteilten Riffen. Die Psychologie, die den Einzelnen mit diesem Denken konfrontieren kann, ist in dieser Wahrheitsdimension im Sinne der Liebe, die immer das zeigt und offenbart, was einem fehlt, was man nicht hat und beim anderen vermutet, eine undankbare, enttäuschende Angelegenheit. 

Dämon, Außenwand von Westminster Abbey, London

14.08.2014 Immunologie, Krebs und Kontrolle

Wer eine hohe Kontrollorientierung entwickelt, für den können die Dinge oft lange Zeit gut funktionieren. Der kontrollorientierte Mensch hat es im Griff, den Beruf, die Familie, die Kinder, das Einkommen, den Garten, die Ordnung im Wohngebiet der kleinen Häuschen mit gesäubertem Vorgarten. Mit den Jahren wird die Differenz der Dinge jedoch größer, was für jene Menschen den allergrößten chronischen Stress darstellt. Das, was in einem vor sich geht, hat man nicht in der Kontrolle, und es ist offensichtlich für Menschenwesen nicht einfach, dies auszudrücken. Die hohe Kontrollorientierung stellt das entscheidende Hindernis da, mich zum Objekt des Genießens eines anderen zu machen. Der kontrollorientierte Mensch gibt sich dafür nicht her. Dem anderen sind nicht etwa wir wichtig, sondern das, was sie von uns für sich gebrauchen, was sie von uns genießen und für sich benutzen können. Die pendelnde, mehr noch taumelnde  Bewegung von der radikalen Identifizierung zum Zustand der Nichtidentifizierung, des frei flottierenden Begehrens und wieder zurück scheint eine Kunst zu sein, die sich nicht so leicht erlernt, die jedoch gerade von Surfern, Kitesurfern, Drachenfliegern, Motorradfahrern, Tauchern, Snowboardern, Elektroboardern, Bergsteigern, Läufern körperlich gespürt wird. Die taumelnde Pendelbewegung kreist dabei um einem Platz, der leer ist, den andere bei mir einnehmen können, an dem ich mich als ganz anderer, als Nicht-Ich situieren kann. Immunologisch gesehen, dürfte die unkompensierte einseitige Verdichtung, die dauerhafte Erstarrung in einer gefährdeten imaginären Identifikation, die Nichtung des leeren Platzes eine gefährliche Dynamik darstellen. 

Katzen und Mäusekrieg, Johanneskapelle in Pürgg (Steiermark, Österreich)

13.08.2014   Das Internet ist kein Erdstall

Wenn man dem anderen Menschen im Kern seiner Subjektivität begegnet, hat dies etwas potentiell oder real Traumatisches, weil man erlebt, das es jenseits der Sprache zwischen mir und dem anderen etwas gibt, was die Sprache subvertiert, was unter ihr sehr real ist, aber eben nicht sprachlich verfasste Realität ist, etwas, das man nicht gewählt hat und das durch die Sprache, die Kommunikation nicht repräsentiert wird, auf das man sich nicht einstellen, nicht vorbereiten kann. Demgegenüber hat das Internet, haben die westlichen Firmen und Begegnungsräume jene solipsistische Struktur, in der die Menschen soweit angepasst sind an die normierten Wünsche und Vorstellungen, die in den symbolischen Systemen zirkulieren, das Be- und Vergegnungen potenziell auf ein Minimum reduziert werden. Im Selfie können extremste Posen offenbart werden, weil es auf der Ebene des Realen keinerlei Handlungen, kein zwischenmenschliches Trauma mehr nach sich ziehen muss und man die Verfügung über eine nachträgliche Begegnung in die eigene Wahl und Entscheidbarkeit, damit in die Kontrollierbarkeit bekommt. Vielmehr wird versucht, in den sozialen Beziehungen im online Sinn jedes Risiko des anderen, das ganz anders Seins, Denkens, Fühlens und Erlebens auszuschließen. Auf diesem Hintergrund greifen Zensoren Internetseiten ab, überprüfen Maklerbüros Gehaltsabrechnungen, bevor etwas vermietet wird, rechnet die Schuha mit geheimen mathematischen Formeln bei Kreditanfragen, führen Firmen Bewerberprüfungen durch und korrelieren Onlineagenturen Partnerschaften. Selbst in der Berliner U-Bahn erregt der exzentrischste Andere keinerlei Aufmerksamkeit. Er bleibt allein, ohne eine reale Reaktion eines anderen. Im französischen Film "Im Namen der Leute" gerät Bahia nackt in die U-Bahn, und doch ist ihre aktive und damit selbstgesteuerte, kontrollierte Sexualität nicht verunsichernd, sondern der Versuch, das andere zu normalisieren. Selbst ihre Unterwerfung unter den anderen ist noch selbst, frei und damit kontrolliert gewählt. Daher findet die eigentliche Irration auch dort statt, wo sie schließlich - eben weil es vollkommen unwahrscheinlich und unmöglich erscheint -  mit einem peniblen Beamten, ausgerechnet einem aufs das Langweiligste gekleideten AKW-Ingenieur zusammentrifft, mit dem sie schließich ein Kind haben und den sie heiraten wird, einen Menschen, den sie im Netz, im Onlinemodus der kontrollierbaren Räume niemals hätte akzeptieren können. Im Film die >>Die Frau am Strand<< zerfällt die symbolische, in Harmonie definierte Burgfamilienstruktur, gebastelt aus Strandhaus, hohem Einkommen und romantischem Oldtimer, in dem Augenblick, als die junge Norwegerin Maria ihre Subjektivität und damit Identität auf den letzten, subversiven und damit noch freien Platz verschiebt, indem sie ein Kind bekommt. Dieser Einbruch des unerwarteten Realen auf der Rutschbahn der Sexualität zerreißt die Familienidylle, legt die Grimasse des Realen in den Gesichtern und Körpern von Mutter und Vater offen. Hier findet sich die Begegnung mit einem traumatischen Realen, die im abstinenten Onlinemodus nicht möglich ist. Das Trauma der Onlinestrukturen ist, das diese traumatischen Begegnungen fehlen und über die Struktur ausgeschlossen sind. 

Der Onlinemodus zeigt sich heute in den Vorträgen von Schülern und Studenten, von Referenten auf Tagungen und Symposien, von Teilnehmern an Studentengruppen - es zirkuliert gravierende Langeweile, kaum Reichtum an Verunsicherndem, sondern Immergleiches, Bestätigendes, Symbolisches und Imaginäres, Beziehungstechnisches, Zahlenverhältnisse und entschärfte Definitionen, Handlungslogarithmen. Nach wissenschaftlichen Zahlengerüsten folgt stets die Ratgeber- und Optimierungsbranche. War der psychoanalytische Therapeut der sechziger und siebziger Jahre abstinent, so erleben wir heute die Abstinenz des Alltagsmenschen vom irritierenden anderen, während Psychotherapeuten vermehrt aktiv herumgaukeln. Daher, auf diesem Hintergrund bekommen Singles ohne Tiere und sonstigen Anhang, am besten in hoch integrierter beruflicher Position im Modus des Nichtrauchers, eine Mietwohnung, während jene Familien mit mehreren Kindern, unhaltbare, kaum realisierbare Summen bezahlen sollen, damit der Vermieter jedes Risiko auf ein absolutes Minimum reduziert, am Ende sogar, wenn nichts passiert, die Kinder ruhig und friedlich sind, er sogar noch einen gewaltigen Gewinn erzielt, was freilich in unseren Kulturen immer seltener passiert. 

Mit Liebe öffnen und verschließen sich Kinder noch, hin zu ihren immer auch wahnsinnigen andersartigen Eltern. In der Onlinewelt gibt es die Liebe zum Wissen, zur Kontrolle, zum Kalkühl, zur Absicherung, zum Vergleich, zum Abbildbaren, statt die Liebe zur Liebe im Körperdunklen und Traumabgrund, als Hinwendung zum Unsichtbaren, zum Unverstehbaren, zum Unkalkulierbaren, zu all dem, was mit der Vorsilbe Un- sein Spiel treibt. Im Erdstall - was nur wenige kennen - stürzt man ab, fällt hinein, dorthin, wo das Ende der symbolischen Matrix gekommen scheint, wo der Ausgang mit dem Eingang zusammenfällt, woraus sich ergibt, das es darüber nichts Geschriebenes, nichts Überliefertes gibt. 

Seit einigen Jahren symbolisiert >>Curves-Soulful Driving<< von Stefan Bogner, Sohn von Willi Bogner, aus München, die Jouissance mit der Menschenmaschine im Realen.

31.07.2014 Jenseits der Sprache - Jouissance 

 

Jouissance gehört zu jenen Rätseln, für die es im Deutschen nicht einmal ein Wort gibt. Es handelt sich dabei  nicht um das deutsche "Genießen", sondern um etwas, das über die Lust und Entspannung, über die zufriedene Lust des gefühlten Einsseins in Harmonie weit hinausführt, um eine Mehr-Lust (plus-de-jouir), ein Surplus, ein Zusätzliches, das, was am Genuss obszön, bizzar, wahnsinnig, verrückt (aliéné), idiotisch, das mit Sprache nicht zu bezeichnen ist. Géza Róheim schreibt 1920 in der Internationalen Zeitschrift für Psychoanalyse von der Koitusbedeutung des >>Überschreitens<< (VI, Heft 3). 

Jouissance: Autofahren mit Maximalgeschwindigkeit im Regen, im Nebel, auf Eis und Schnee, auf endlosen Bergstraßen extrem und unkalkulierbar nah an Abgründen, downhill biken, ohne Helm und Protektoren, Snowboarden im Lawinennebel steilster Abhänge im endlosen Tiefschnee. Es ist die böse Lust am ganz anderen, in einer Übertretung des Gesetzes, des Erlaubten, des Vernünftigen, des Anständigen. Es dient zu nichts, außer zu diesem nicht zu bezeichnenden anderen. Wer in die Regionen der Jouissance eintritt, muss dies wiederholen, braucht es wieder auf dieser obskuren Route des Todes. Man kann Jouissance nicht interpretieren. Die Psychiater können es mit ihren Kategorien und Diagnosen nicht erfassen und flüchten in den Biologismus, in die Evolutionstheorie, die Tiefenpsychologen flüchten davor in die narzisstischen Frühstörungen. 

Im filmischen Tatort "Am Ende des Flurs" lebt die Prostituierte Lisa Brenner in einer wahnsinnigen Jouissance. In dem franzöischen Skandalfilm >Jung & schön< verliert sich Isabelle in einer Jouissance, einer Suche nach dem Jenseits der symbolischen Erfahrungswelten, wie sie Schulen und Universitäten strukturieren, Jouissance, die sich im realen Leben später häufig als traumtaisch zu etablieren sucht. Im Autorennen, das illegal sein muss, Gumball, zeigen sich Momente radikaler Jouissance - in Feindschaft zu aller Polizei, zur Politik und allen Zwangscharakteren der Nationen, ohne die jenes Genießen kaum funktionieren würde. Die Orgien des Hermann Nitsch sind theadrierte Jouissance. Nie konnte man die Gefährlichkeit der freigesetzten, destruktiven, dionysischen, psychoseartigen Mysterien bezweifeln. Was hier im Theater sich vorführt, findet sich in furchbarer Weise in den Tagebüchern des für viele schwer erklärbaren Ernst Jünger. In >>Stahlgewitter<< und >>Marmorklippen<< wird erlebbar, wie die zwanghaften Kleinbürger (er selbst war nur scheinbar ein Antibürger, sondern vielmehr der Prototyp des Kleinbürgers, so wie eben auch Hitler) in die Jouissance kippen. Der Pour-le-mérite-Wahnsinnige, der Herrennazi war selbst vom eigenen Zwangscharakter durchströmt, ähnlich dem Dichter Stefan George, und kippte dabei, angestachelt vom Todestrieb, in die Grimassen der Jouissance im Realen, dies seit den 1930er Jahren.  Wie jedermanns Kleinbürger suchte Ernst Jünger die Sehnsucht nach Einheit, die Aufhebung von Entfremdung und des Anderen und wie der Kleinbürger träumte er den Traum, den er sich, anders wie der Kleinbürger, nämlich unbefangen erlaubte, den Traum des Helden, des Retters, des ganz Großen, Edlen und Erhabenen, darin wiederum Stefan George, dem Neotempler, nicht unähnlich. Die Lüstlinge aus Abu Ghreib waren folternde Kleinbürger aus amerikanischen Vorstädten, die ihre Angst vor dem unbeherrschbaren Anderen im Todessog der Folter transformierten und in die Jouissance fielen, aus deren Wiederholung sie keinen Ausweg mehr fanden. Allessandro Magnasco malte schon 1710 für uns die Folterkammern der spanischen Inquisition, eine Abbildung jenes bizzaren Genießens, das sich Jouissance schreibt. Caravaggio malte nicht nur radikal Straßenkinder, die im goldenen Licht in den Kapellen hängen, sondern er nahm, sich steigerd, eine tote Prostituierte, um die heilige Madonna zu malen. Dies war nicht seine letzte Steigerung bis 1610. Statt Caravaggio in der Hauskapelle gibt es heute die Ducati 998 R oder 1089 oder Porsche GT3 und vieles ähnliche, worin sich die Verwindung metonymischer Substanzlosigkeit des Gesprochenen offenbart (jouissance du corps). 

 

 

 

Musée de Cluny; Musée national du Moyen Âge, Paris

11.04.2014 Der verkleidete Zwangscharakter und die Dikatur der guten Gefühle

 

In unserer Zeit erleben wir es immer häufiger, das der Zwangscharakter formuliert: >>Ich tue das, was mir gut tut, gehe dorthin, wo ich mich wohl fühle. Wenn ich mich nicht wohl fühle, dann denke ich an etwas Schönes, ziehe mich fein an, esse etwas Gutes, mache Sport.<< Das alles tue er, um sein "volles Potential" zu entfalten. Diese Form beseelter Naivität und zuweilen großer Dummheit verkennt, das er gerade durch die Diktatur des >>Ich muss mich gut fühlen<< den anderen und das Andere unterdrückt, bevormundet, dominiert und zerstört. Alles, was das sich gut fühlen beeinträchtigt, muss neutralisiert, umgangen oder mit Liebe, Bevorzugung und Anerkennung betäubt werden. Sich gut fühlen, das beteutet für den Zwangscharackter, das er frei vom verunsichernden Begehren ist, frei vom Befremdlichen, frei von den befremdlichen Wünschen des anderen, die seinen eigenen Wünschen nicht entsprechen. Der Zwangscharakter unserer Zeit unterdrückt mit Liebe, mit vermeindlich guten Gefühlen, mit einem gemeinsamen Abendessen am Strand, mit einer Gehaltserhöhung - mit einem Privileg, nur damit der andere still hält, damit er keine eigene Regung zeigt oder damit der andere so redet, das der Zwangscharakter selbst niemals in Bedrängnis kommt, das er niemals Zweifel und Kontrollverlust empfinden muss, somit auch niemals wirkliche Erotik, niemals echtes Begehren. Wenn das Subjekt im Zwischenraum der zwei Dialekte, Zwangsneurose und Hysterie ist, dann ist nichts, was der andere sagt, richtig. Das Subjekt fühlt jetzt Zweifel, die Gewissheiten werden brüchig, und während es zu fragen beginnen möchte, aber doch nicht fragt, steht es vor dem Abgrund aus Psychosen, Alkoholsucht, Nymphomanie, mastubatorischer Dauersexualität und paranoischem Wahn.

 

 

 

19.02.2014 Die Erzeugung der HYSTERIE im mittleren Management

Psychologen und psychotherapeutisch orientierte Ärzte sind mittlerweile dabei, Manager in Hysteriker zu verwandeln, was glücklicherweise nicht immer gelingt, aber Einkommen, Geltungswünsche und die traditionelle Vatersuche absichern kann.

Der Diskurs der Hysterie, vor einigen Jahren konnten wir es in einem bayrischen Klinikunternehmen auf seiten des Managers aktiv erleben, beginnt dort, wo ein Manager glaubt, er könne mittels psychologischen Wissens abgesichert VER-STEHEN, was seine Mitarbeiter für ihre Seele oder Psyche brauchen. Ein solcher Vorgesetzer versucht sich in seine Mitarbeiter einzufühlen und glaubt - hier haben wir wieder die Paranoia - man könne sich einander ergänzen, man könne gar an einem Strang ziehen, sich Bälle zuspielen oder sich ins SELBE Boot setzen (und einander zitieren und sponsern). Der Manager mit psychologischem Pseudowissen unter wissenschaftlichem Stempel glaubt wahrhaftig, er könne im Rahmen von Abstimmung und Synthese eine Einheit und Ganzheit, ein sicheres, schlagkräftiges Team hervorbringen, so wie Hitler die unwidersprüchliche Volksgemeinschaft wollte, woran auch immer noch der Name "Volks-wagen" erinnert. Was passiert mit solch einem hysterisierten, ehemals und noch immer zwanghaften Manager? Er möchte von den Beteiligten wissen, zu welch wertvollem Mensch er für sie geworden ist. In diesem pseudo-hitlerischen System wird nun aber kein Wissen mehr erzeugt, der Diskurs dreht sich weiter, sondern Anpassung und Unterwerfung, hysterische Ergebenheit sowie Angst, Flucht, Tränen, Schmerzen, Krebsleiden, Depression und Rebellion, außerdem der Wahnsinn und deutliche Formen exklusiver Dümmlichkeit.

Der hysterische Manager erkennt in diesem Diskurs irgendwann notwenig, das sein Versuch des Verstehens scheitert, das er das, was er will, die Ganzheit, nicht herbeiführen kann. Er ist - so (schein-)empathisch er sich auch gibt - nicht das für den anderen, was er sein möchte  und verfällt - zur unglücklichen Bestätigung beteiligter, zur Therapie berufener Psychologen, Krankenschwestern und Ärzte - in Neid, Frustration, Aggression und Feindseligkeit.

Da Menschen zueinander stets und dauerhaft strukturell unangepasst sind, der Versuch der Anpassung ins Faschistoide triftet, muss der psychologisierte Manager, der Einheit stiften will, statt Alterität, nach dem glorreichen Aufstieg, das am Ende fundamentalste Scheitern bewirken. Im Fall der oben genannten bayrischen Einrichtung wurde das Personal krank, flüchtete, geriet in unauflösbare Konflikte, entwickelte Formen schwerer Paranoia, kündige in großer Zahl, war auf Monate und Jahre paralysiert.

Hysterische Psychologen, Therapeuten und Ärzte errichten sich den (hysterischen) psychologisierten Manager (über Seminare, Workshops und niedlich erscheinende Literatur), auf der Suche nach einem dominanten (zu umarmenden) Herren, denn an einen solchen wenden sie sich in ihrer Sprache des Begehrens.

 

Der hysterisierte Herr (Manager) spricht stets von WERTEN, das macht ihn so anziehend und so unerträglich. Wer den eigenen Werten auf der Basis des psychologisierten Agierens nicht entspricht (dagegen spricht), wird vernichtet. Der Herr weiß jetzt (dank der vermittelten Psychologie), was er in Gewissheit will und was der andere wollen muss. Er fragt nicht mehr, um fremde Antworten zu erhalten, sondern um SEINE Antworten zu erhalten. Er erträgt die Fragen nicht mehr, er befiehlt zu antworten, wie er es hören will.  

 

 

Nachtrag: Häufig wird der Zwangscharakter mit dem Egoisten, dem Narziss verwechselt. Das gilt auch für die großen und kleinen Diktatoren. Im Mythos weist Narcissus die Bergnymphe Echo jedoch zurück, als diese sich in Liebe ihm hingeben will. Der Zwangscharakter weist die anderen jedoch gerade nicht zurück. Vielmehr will er die anderen seinem Glauben und Handeln unterwerfen. Vermeiden die anderen die Unterwerfung und Verehrung, weist er sie nicht zurück, er sucht sie zu vernichten.

 

 

 

Land Rover Defender SW 110

11.02.2014 Der letzte Defender und die Anfänge der digitalen Diktatur

Wie wir in diesem Block gelernt haben, zerstört der Zwangscharakter das Begehren der anderen und verwandelt ihn somit in einen lebenden Toten. Der lebendige tote Autofahrer kann unbeteiligt sein, kann das Auto fahren lassen, ohne die geringste emotionale Beteiligung, ohne innere Erregung, ohne Risiko, da das Auto mit anderen Autos kommuniziert und von selbst bremst oder beschleunigt (driveability sagen die Ingenieure; jene von Mercedes, BMW und VW  haben hier offensichtlich zusammen mit ihren japanischen Kollegen mittlerweile eine Reihe von interessanten, nicht selten skurril-bizarren Verdiensten erworben und gelernt, das hier viel Geld zu machen ist).

Die Zwangscharaktere haben die Gurtpflicht eingeführt, den Autos ABS und ESP vorgeschrieben, den Fußgängerschutz zum Gesetz erhoben, ab 2016 selbst den Motorrädern ABS oberlehrerhaft diktiert, Sensoren und Pipsgeräusche für Gurte, Regen und Eis eingebaut, mit dem langfristigen Ziel, das nun in Kürze erreicht scheint, der Ausschließung des Autofahrers im Namen digitaler Verherrschaftung, angeschlossen an ein Elektroniklabor von entmündigten Technikern, und, so paranoid, alles immer im festen Glauben etwas Gutes, gar Fortschrittliches getan zu haben. Zwar wird es selten Unfälle geben, aber auch keinerlei Emotion, womit wir schon in der Gegenwart sind. Der Autofahrer als lebender Toter, Erregung nurmehr an der Tankstelle im Konkurrenzdiskurs der Sparsamkeit spürend, die größte Phantasie der extremistischen Zwangscharaktere, die sich schon in furchbar früheren Zeiten global austobten. Das freilich ist nicht Liebe, sondern Wahn, Paranoia im Modus der maßlos gewordenen Herrschaft vermeintlicher, selbstgläubiger, sich ökologisch inszenierender Vernunft (wirklich umweltbelastend - vorrangig in Afrika -  ist eher die enthemmte, leidenschaftliche Digitalisierung der Welt, viel weniger die Mobilität). Der Zwangscharakter ist in seinem paranoiden Genießen, man muss ihn dafür nicht gleich hassen, zuweilen idiotisch, was selten offen, direkt und klar ausgesprochen wird. Was er hasst ist die Variable a, die Angst, die Unkalkulierbarkeit und Vitalität des anderen, was die Gefahr erzeugt, die Lebendigkeit, die Emotion. Während er, der Zwangscharakter die Besessenheit als das Unkontrollierbare ausschließen will, wird er selbst zur Besessenheit. Die fast schon letzte Vitalität - bestehend aus vielerlei Mängeln, Land Rover Defender (bis 2015, dann zerstört und verboten), er hat sie verteidigt bis 2015, nahezu ohne jede Werbung, ohne Mission, Kaufüberredung  oder Überzeugung, dann wurde auch er in Brüssel von gut ausgebildeten Gläubigen verboten; die von der digitalen Kultur geprägten Investoren wollten dem nichts entgegensetzen, geschieht es doch im Namen einer postulierten, disziplinierten, obszönen Logik zukünftiger, versicherter Gewinne, was ihrem Genießen entspricht. Manch ein Autohändler versuchte den letzten Kunden den Land Rover Defender noch auszureden. Lange Wartezeiten für Kaufwillige gab es seit Jahren, manch einer soll fast zwölf Monate auf das Auto gewartet haben. Wenn es den Land Rover Defender nicht mehr gibt, wird klar, das auch die digitale Welt nicht geht. Jeder, der je das Steuermodul ABS oder den tausende Euro teuren Bordcomputer des Alltagsautos zu reparieren hatte, einen Laser austauschen musste, weiß dies nur zu gut,  im nachhinein. Der Zwangscharakter, ein manchmal fast zu allgemeines Merkmal,  ist blind für das, was er in vermeintlich gutem Willen und vermeintlicher Liebe (die er immer schon falsch verstanden zu haben scheint, als Einheit, statt Alterität) in seiner inneren und äußeren Raserei zerstört.

 

Nachtrag: Der Land Rover Defender, gebaut seit 1948, besitzt keine Airbags, keinen Seitenaufprallschutz und keine sonstigen Knautschzonen, keinen Fußgängerschutz, keine elektrischen Bremsassistenten, keine elektronischen Fahrstabilisierungen. Die ultimative Version E besitzt auch keinen Teppichboden, viellmehr blankes Metall im Innenraum und gnadenlos hartes Plastik, das in modernen Autos verboten ist, keine Zentralverriegelung, keine elektrischen Fensterheber, keine Bordcomputer, keine Sensoren für Sicherheitsgurte. Zum Erlernen der Schaltvorgänge benötigen Menschen mit durchschnittlichem Talent gut zwei Wochen. Die Reisegeschwindigkeit liegt zwischen 80 und 100 km/h bei rund 75db Geräuschentwicklung. 

Über 80 Prozent der Besitzer würden sofort wieder einen jener Land Rover Defender kaufen, die bis 2015 in Handarbeit in Großbritannien bei der Absenz von Qualitätskontrollen zusammengebaut wurden. Über 80 Prozent, das ist das höchste je erreichte Ergebnis in der Automobilbranche. Es ist nicht bekannt, das jemals Fußgänger in einen Unfall mit einem Land Rover Defender verwickelt wurden. Bis heute sollen nahezu 70 Prozent aller seit 1948 gebauten Land Rover Defender noch fahren. Eine ökologische Bilanz, die ebenfalls von nahezu keinem Auto erreicht wird. Der Hauptfeind des Defender ist neben den Brüssler Bürokraten das (extrem die Umwelt verseuchende) Streusalz der Winterdienste für unbeholfene Autofahrer, deren Elekronik ihnen nun nicht mehr so vertrauenswürdig erscheint; Streusalz das zur Entropie führt. 

 

 

 

Kathedrale von Chartres - Eindimensionales Labyrinth

03.02.2014 Die MASSLOSE Mäßigung der Lust und des Genießens - Autos, Energiewende, Vignetten und andere Wunderlichkeiten

 

Die Umwelt- und Ökologieidee, Energiewenden und Umweltzonen sind Teil einer diegetischen Realität, die wahrhaft die größte mögliche Lustfeindlichkeit als Leitsystem impliziert. Noch nie hat ein System derartig massenhaft ästhetisch scheußlichste, angepasst-enterotisierte, elektronisch-bevormundend-autopoietische Automobile ausgestoßen, wie in unserer Epoche. Die Karosserie huldigt nicht etwa dem hedonistischen, aktiv-verführerischen Narzissmus, sondern der vollständigen, automatisierten, zivilisiert-domestizierten Lustlosigkeit: Seht, meine Hässlichkeit ist nicht mehr zu überbieten, ich verzichte auf den Genuss, den Exzess, die Verschwendung, zugunsten der absoluten Vernunft (ein in Kapiteln besonders furchtbar deutsches Thema) im Modus einer milden visuellen Spannung aus gebrochenen, fließenden Linien, mit Dank an die Designer, Techniker und Manager. In der lustfeindlichen Tyrannei von sterilen Hochschulabsolventen und Bürokraten im höheren Dienst lassen sich Autobahngebühren, Steuerverrücktheiten, allerorts Parkuhren, Schrebergärten, DIN-Zertifizierungen, komplexeste Müllsortierung und autonomisierend abschließende Dämmsysteme für Häuser kreieren, über die nahezu jeder Grieche gelacht hätte, wenn man sie, die Griechen, nicht gerade noch rechtzeitig, im Rahmen der Leitherrschaft von Pensionsfonds, mit in diese vermeintliche Entkatastrophisierung eingemeindet hätte, worin sich die potentiell tödliche Vernunft nun selbst von seiner diabolischen Seite zeigt. Eo ipso, der letzte Schimmer von Lust scheint sich auf das abendliche Dinner der fast schon pervers Angepassten zu begrenzen. Aus dem Labyrinth der fanatischen maßlosen westlichen Vernünftigkeit, im Ruf einer agitierten Weiterentwicklung des vermeintlich kritischen Bewusstseins, kann man offensichtlich nur noch schwer und selten ausbrechen.

 

 

 

Mysteriöse Uta von Naumburg; 2005 ***

27.01.2014 Die Herrschaft und das Feminine - Oder: Die Scheidung des mächtigen Dr. Alexander Dibelius

 

Dieser Tage informiert uns der Stern (eine Zeitschrift) - wohl weil es um eine existenzielle Struktur geht, die unsere Aufmerksamkeit sucht - über die Scheidung des wohlhabenden deutschen Bankers, den man auch noch an ganz anderen Orten kennt. Über die Person hinaus, die Struktur kann das Interesse erregen. Im Diskurs der Herrschaft, Szenarien in denen exklusives Wissen vorgeführt und eingesetzt wird, kommt es zur Verdrängung der existentiellen Spaltung, der die menschliche  Subjektivität zugrunde liegt. Im Investment Banking  nimmt man den Glauben auf sich, das man bestimmte Szenarien mit vorausgegangenen Ereignissen verknüpfen und zu deduzierbaren Ereignissen im Modus von Beispielfällen allgemeiner Prinzipien brüderlich unter Freunden über die Welt verknüpfen kann. Insofern gibt es eine Parallele zur Medizin (Dr. Dibelius ist auch Arzt), wo Wissen eingesetzt wird, um Krankheiten (Symptome) zu behandeln, indem man den obrigen Glauben ebenso auf sich nimmt. Im Begehren dieser Eindeutigkeiten realisiert sich freilich, wie auf dem Gesicht der Gräfin Uta von Naumburg, das Ausgeschlossene, das nicht-zu-integrierende, jene Subversion, die abseits des unaussprechbaren femininen Namens (Umberto Eco sagte: Der NAME der Rose! - il nome della rosa - Wir ergänzen: Fatum der Namenlosigkeit, denn ROSE bezeichnet erotisiert alles und nichts und subvertiert den NAMEN des Vaters als den einer Herrschaft) den mächtigsten, den wissenden Diskurs subvertiert, damit seine allgemeinen strahlenden Prinzipien dem Unvermögen preisgibt, vor dem noch die mächtigsten Anwälte hilflos erscheinen und sich mit banalstem psychologischem Wissen zu helfen suchen, um dann doch im Nichtwissen fragend und allein stecken bleiben zu müssen. Vergessen darf man es freilich nicht: Der Meisterdiskurs, zu einem solchen gehört der Investmentdiskurs (wie auch der Medizindiskurs), ist dafür da, damit man keine Angst hat, und in diesem Modus täuscht er notwendig.

 

*** In Naumburg, Magdeburg und damit der Straße der Romantik scheint sich die Paranoia der Kleinürger auf recht interessante Weise auszudrücken, während Uta von Naumburg das Jenseits des Kleinbürgertums bezeichnet, was ihre Anziehungskraft generiert.: In den Kirchen soll man für das Photografieren eine Erlaubnis einholen und Geld bezahlen, in Naumburg fünf Euro, in Magdeburg im Dom zwei Euro. In das Magdeburger Kloster (Die Wächterin sagt: "WIR sind KEINE Kirche, sondern ein Museum" - Paranoia) kommt man überhaupt nur noch gegen Eintritt (4,50 Euro) hinein, sonst bleiben Kirche und Kreuzgang unzugänglich. Obelix sagte bekanntlich: "Die spinnen, die Römer!" 

 

 

Die Hysterie als das Grundphänomen der Neurosen >>Sucht, Suche; Besessenheit<<

22.01.2014 Ist Mut ein Anagramm von Glück?

http://kaithrun.de/fundstuecke/mut-ist-nur-ein-anagramm-von-glueck/

 

Der Drang, sich an das Leben hinzugeben, dem Hören der anderen, dem Feiern und Kaufen, dem Reisen und Spass, der Drang dem und den anderen das zu sein, was ihnen fehlt, der Wunsch im Leben am Platz der anderen das zu finden, was einem selbst fehlen muss, realisiert auf Basis der Verkennung, dass das ICH immer schon die Formel der Paranoia ist, was jeme berühmt gewordene Julia Engelmann als Diskurs einer Übertragung nicht ohne Erfolg versucht. Die gegenwärtige Wahrheit der famosen Hysterie liegt tatsächlich im Unglauben an den Herrn, den Meisterdiskurs und damit an Social Media, an Smartphone und Kommerz, die Verkennung liegt aber auch im Glauben an das Glück, das vielleicht woanders sei, weil es letztlich im Verlust des Ichs und seiner Überschreitung selbst verborgen scheint, damit abseits der symbolischen Ordnung angesiedelt scheint. Anders gesprochen, Glück liegt nicht gezwungen in der Reflexion, aber auch nicht gezwungen abseits der Reflexion, sondern in einer Erotisierung die sich aus einer Spaltung ergeben kann. Der Körper mag ein Zusätzliches sein, ein subtiles Surplus, ein Cyberspace, eine reale Virtual Reality, ein Faszinosum, das in der obrigen Szene zum immer unvollständigen Wissen treibt, was das Verlangen des Wissens ausmacht und sein Glück/Unglück, seine Liebe darstellt.

 

 

 

Berlin, eastside gallery " In Gott hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben"

13.01.2014  Die wahnsinningen Paare in gemeinsamer Leitungsfunktion

Außer in Familien, passiert es nur selten, die Leitungsfunktion zu Zweit, wenn doch, dann geschieht uns DIE stets erst recht spät einbrechende gangränöse Katastrophe, nachdem sich das Disaster lange schon ankündigte. In der dualen Beziehung des Paares entsteht die Illusion von Gegenseitigkeit, obgleich im hysterischen Modus der eine, Hysterische, den Tod des anderen, des Narzisstisch-Zwanghaften, erwartet. Da der Mensch das, weil er spricht, subjektiv benachteiligte Wesen von Anfang an ist, macht er diese Benachteiligung am ideologischen Geschlechtsunterschied  fest, was mit der Aggression einhergeht, die im Spiegelbild zuweilen als Feindseligkeit festgeschrieben ist. In gemeinsamen Leitungsfunktionen wird die paranoide Gegenseitigkeit ('Wir haben ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Traum, ein gemeinsames Begehren, wir geben uns gemeinsam Halt') in ihrer bedingten Aggressivität als offene und abwechselnd extrem subtile Feindseligkeit auf die sich dem verrückten Spiel entziehenden oder schwächelnden oder angepassten Anderen, alieni iuris, übertragen. Die Folie à deux, die jedem akkumulierten staatlichen, institutionellen, wirtschaftlichen und familiären Faschismus zugrunde liegt, zeigt sich für das Paar in der Unmöglichkeit, die Alterität der anderen anzuerkennen, womit dem Paar eine imaginäre Verkennung geschieht: Erst in der Nicht-Gegenseitigkeit, in der Alterität selbst ensteht und realisiert sich Erotik, das libidinöse Kreisen um die Dinge, die Lebendigkeit des Ichs und des Anderen ist.

 

 

 

Église des Templiers de Montsaunès, 1994

04.01.2014  Das Soziale und die Gruppentherapie

Das, was die Menschen nahe bringt, das ist das Sprechen, in dem der Anschein des Verstehens entsteht. Weil vor dem Sprechen Leere ist, entsteht dem, der demonstrativ nicht spricht, Aggression, und mehr noch Feindseligkeit, ein Problem des Narzissmus und der Depression, aber auch des Zwangs. Real geschieht durch das Sprechen kein Verstehen, wie der Melancholiker glauben will, sondern Anerkennung des anderen, der auch sprechen darf, ja sprechen soll, dessen Sprechen begehrt wird, was die Zwanghaften nicht können, da sie nur das Geplapper des Selben zu ertragen bereit sind. Im Sprechen des anderen tut sich real ein Fremdes auf, dass das Subjekt sich selbst ist, worum es, wenn es zwanghaft ist, den anderen als Anderen dominieren will. Die gelöschte Subjektivtät des anderen würde jedoch nicht zur Überwindung der inneren Entfremdung führen, weil das wahre Selbst nicht das integrierte Selbst, sondern das ganz Andere ist. In dieser ewigen oder universalen Dissonanz liegt offenbar der furcherregende Erfolg des Standfort-Gefängnis-Experiments durch Philip Zimbardo (1971), dem die Entfremdung des Ichs im Milgram-Experiment (1961) vorausging. Der Riss ist, das der Einzelne wie die Kollektivität nicht im Wissen um das Gesagte sein müssen, da sich dieses Wissen nur in dem abspielen kann, dies ist das Menschlich-Soziale, was zwischen dem Gesprochenen als Reales verbleibt, worin sich die Übertragung als Liebe und Hass generieren kann. Es ist das, was wir im Gedächtnis abspeichern werden.

 

 

 

Abseits des Lichts

16.12.2013  Der Zwangscharakter liebt die Emotionsregulation der anderen

Die symbolische Ordung, die Kultur ist, die ihr Vorhandensein belegt, lange bevor man selbst in die Welt trat, variiert durch sprachliche Benennung, welche Gefühle im Menschen existieren und wann eine Erregung mit welchem Begriff belegt, benannt, bezeichnet werden darf. Klassischerweise verirren sich die Zwangscharaktere in dieser Welt auf ihrer fatalistischen Herrschaftssuche nach Eindeutigkeit. Der Begriff Trauer wird dem Tod eines nahen Menschen zugesprochen, der Begriff Stolz einem Erfolg, den man für den Eigenen hält. Was ist nun das Problem? Die Sprache, die menschliche Wesen zur Regulation von Erregungen benutzen, genannt Emotionsregulation, ist ein Aufputz, der die Substanz, die Erregung, ins Unvermögen sperrt, so wie Herr Putin meinte Pussy Riot in den Gulag zu sperren. In Firmen postulieren sie die Entlassung und Aussperrung. Daher - Emotionsregulation -  kann man Sprache benutzen, um den anderen zu dominieren, aber auch um die Emotionen, die vom anderen induziert sind, in sich zu dominieren. Das Phantasma der Zwangscharaktere verbindet auf scheinheilig kausale Weise im Namen der falschen Gewissheit die Erregung mit einem Bewusstsein und Verstehen der Emotion, das sich konsequent nur in einem Phantasma realisieren kann - bekanntlich kennt die sich abseits des Intelligenzquotienten realisierende fanatisch gewollte eigene Dummheit des Zwangscharakters (denn Dummeheit ist die Unterstellung von Scheinkausalitäten), wobei der Intelligenzquotient an diesem Punkt keine Aussagekraft hat - hier kein Halten und Erbarmen mehr. Demut vor der Ungewissheit ist dem Zwangscharakter in seiner häufig faschistoiden Charakterfestigkeit ein fremdes Organ. Vor Jahren postulierte einer der größten Zwangscharaktere im tiefsten bayrischen Schneeland, um diese Zeit, zum Glück bis heute mit Macht über nur wenige, zumeist junge Menschen, man müsse den Menschen die Emotionsregulation beibringen, in dem sicheren Wissen, das sich eben nur solche Menschen anpassen und unterordnen, um dem Herrschaftsdiskurs der sich identifizierenden Eindeutigkeit zu folgen. Nach aller pädagogisch durchgesetzten Ruhe und Stille (Abstinenz genannt), ohne die es kein sprachliches, auf Differenz, also Uneindeutigkeit beruhendes Aussagen gibt, gilt es, dieses Phantasma als absurdes Theater der Emotionsregulation erst wiederzuentdecken, das vielen psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten so fremd und verhasst geworden ist.

 

 

 

Arbeitszimmer Sigmund Freud, Wien, Berggasse 19***

25.11.2013   Wieviel Therapie braucht der Mensch?

Je weniger Psychotherapie möglich ist, je höher ist das Begehren, je schneller nährt man sich der Wahrheit in den Therapien, auf asymptotischen Weg, so lässt uns Marlen Haushofer in >Die Wand< (1963) wissen: "Ich fürchte mich heute noch, weil ich weiß, daß ich nur leben kann, wenn ich gewisse Dinge nicht begreife." Doch wenn, über Jahre die asymptotische Annährung sich realisiert, was passiert, in der Regel, ohne das man versteht, dann, wenn man versteht,  verändert sich das Begehren selbst. Wenn man im ersten frühen Leben kein Dilettant gewesen ist, dann zeigt das Leben zu früh die Maske als die einer monströsen Wahrheit. Der Eigensinn freilich, ist geeignet, uns von diesem Wissen zu entfernen, ohne das eine sichere Position zu erreichen wäre, da sich dann das Gegenteil zu realisieren beginnt.

 

*** Die orthodoxe, von Sigmund Freud entwickelte Psychoanalyse strebt keine Heilung und keine Symptomreduktion an, dafür sind lediglich Verhaltenstherapien und gelegentlich Tiefenpsychologische Therapien geeignet. Die Analyse macht es möglich, das sich ein Subjekt, ein Teil eines Menschen, mit dem Symptom identifiziert. Psychoanalyse ist daher keine Hermeneutik, kein ressourcenorientiertes Vorgehen, hat nichts mit Resilienz zu tun, dient keiner Selbstwertsteigerung, keiner Symptombeseitigung, keiner Selbstsicherheit, keiner Traumabewältigung oder -integration, keiner Versöhnung mit dem Körper, keiner Verbesserung der Sexualität oder Beziehung, keiner Aufarbeitung von Kindheitserfahrungen. 

 

 

 

 

Wallfahrtskapelle Mariahilf in Speiden, Allgäu 2010

18.11.2013 Der Diskurs der Zwangscharaktere, derer, die in Gewissheit schwimmen, hält immer an

>>Ich spreche zu den Wänden<< sagte Jacques Lacan in der Kapelle von Sainte-Anne (1971/72). Das, was all die Zwangscharaktere nicht verstehen, die sich ihres Denkens und all der Richtigkeit und Falschheit bewusst glauben, ist, dass das Wissen der Ohnmacht erst das Genießen des Begehrens ermöglicht. Daher ist ihnen, den Managern, den Gewinnern des Kapitalismus, den Machern und Geschäftsreisenden das Genießen verunmöglicht. So, wie die Rußarme Opferkerze, gesteigert im weis getünchten Kirchenraum, die vollkommene Zerstörung des Rituals darstellt, so stellt das Wissen in Gewissheit, prozessiert über das strukturierte Ranking der Auswahl, die Nichtung des Begehrens auf dem Zug der Einsamkeit dar. Bekanntlich helfen dagegen weder Geld, noch Sport und Fitness, noch Prominenz.

 

 

04.11.2013 Urlaub als Subversion

Das Präfix Ur- verweist schon auf das, was bedenklich erscheint. Das deutsche Urlaubsgesetz erlaubt wenige freie Tage im Jahr, verglichen mit der extremen Masse der reinen Arbeitstage, der wenigen Tage zum Feiern und sonstiger in Freiheit versetzter Tage. Warum also so wenig Urlaub? Wozu die herrschsüchtige Pseudoproduktivität im Sinne einer dauernden Machtverfestigung (signifiant maître) und der Endloshoffnung auf die Abschließung der Dinge? Das im Urlaub viele Beziehungen in Staub zerfallen, ist statistische Praxis. Das verschärft die Frage, warum die Feindschaft gegenüber diesem Urlaub, den Ferien? Das Laub, das die uranfängliche Differenz im Sündenfall metaphorisch verdeckt, offenbart in seinem Wegfall das Subjektivität ein Widerspruch in sich ist, überhaupt erst aus dem Widerspruch des Seins heraus entsteht. Urlaub, wenn er echt, real und lang ist, offenbart recht oft die Widersprüchlichkeit des Subjekts im offenen Raum (daher gab es in der pseudokommunistischen DDR nur achtzehn Tage Grundurlaub für die scheinheiligen, friedliebenden Menschenfreunde). Diese Widersprüchlichkeit zu offenbaren bedeutet, die Paranoia jeder vorgegebenen, mit Macht, Dominanz und Herrschaft durchsetzten Ordnungsstruktur in die Wahrnehmung einzuführen, wogegen sich die Menschenwesen bisher mit aller Kraft zur Wehr setzen. Der Nicht-Urlauber realisiert sich als Sklave kultureller Einbildungen, der Träumer nimmt statt Urlaub einen Roman und phantasiert transzendentale Signifikate. Urlaub ist da entgegengesetzt eine Mischung aus der Performanz des Begehrens und möglicher Jouissance, und damit der Feind des menschlichen ICHs.  Mehrere Monate Urlaub währen abseits aller Paranoia Normalität, um die Namen hinter sich zu lassen. Wir leben daher längst nicht in der Postmoderne. Anders ausgedrückt: Urlaub ist nicht anwendungsorientiert und damit ein Gegenwille zum Anwendungswahn, wie er einem in den gegebenen Insitutionen entgegenstößt. Urlaub hat auch nichts mit Erhohlung zu tun, um danach wieder aufgefrischt weiterzuarbeiten. Urlaub ist ein Rest, war immer ein Rest, der geeignet erscheint die Paranoia einer stets realen Gegenwart im Modus eines Gegenwillens zu offenbaren.

 

 

 

Verbarrikadierter Strand rund um Sankt-Peter-Ording, 2013

30.10.2013 Sankt-Peter Ording, die Deutschen und >>Die Theorie des bezahlten Strandes<<

 

Wenn Herbst ist, schauen einen die Strände an, aus einer Distanz heraus, und zeigen für eine Zivilisation etwas, das, Fanal des westlichen ICHs, nicht mehr erstaunt. Von Niedersachsen bis Schleswig- Holstein, die Stände der Nordsee sind fast komplett verbarrikadiert, gelegentlich mit Stacheldrahtzaun, es denkt sich die DDR sei wiederbelebt worden, eingekreiste Strände statt abgesperrter Menschen; das Es, es sieht Bezahlautomaten und armselig rigide Wärter zum Abkassieren von Eintrittsgebühren für das eingezäunte Nord-Ostsee-Meer - die Paranoia par excellence, so phantastisch absurd wie Fahrradhelme auf Köpfen. Die Einheimischen müssen, in Sankt Peter-Ording, Ausweise mit Passbild am Strandzutritt vorzeigen - Grenzpassagen.

Noch spannender wird es in Mecklenburg-Vorpommern, wo man begreift, wenn man die Paranoia liebt, das man Geld in Automaten werfen soll, wenn man sich am Strand hinlegt, was im Herbst weniger passiert. Als Ausgleich der Kosten errichtet man an jedem Feldweg einen kostenpflichtigen Parkautomaten, zusätzlich verbarrikadiert in der Höhe von zwei Metern, jede Zufahrtmöglichkeit nur für Kleine, von Zingst bis fast zur polnischen Grenze. Die Bayern, die kein Meer haben, der Chiemsee ist kein Meer, auch wenn man davon sprechen hört, dachten sich, dann verlangen wir im Sommer Gebühren, auch an dem mickrigsten Wanderparkplatz, im Winter für die Langlaufloipen, Gebühren das ganze Jahr, ein Delierium der Gebühren. Was ist zu erkennen, psychologisch? Das westliche, sehr deutsche, gelegentlich fanatische ICH verkörpert sich im kontrollierten Markt selbst, ein Markt, der entsteht durch Barrieren, ein Markt, der Manager, Kontrolleure, Verwalter, Dienstleistungen für Hygiene in jeder Form und andere kleine Herren konstituiert. Für die Körper des Marktes, den Strand, den Schnee, die Waldlandschaft braucht es Manager, vernünftige Experten im Herrschaftsmodus der Paranoia, die das Wissen um die Vermarktung zelebrieren, beaufsichtigen und weiterbringen.

Die Paranoia neigt immer zur Totalisierung und Vervollständigung. Es gäbe noch mehr zu vermarkten, denken die erstarkten ICHs, Einfahrten zu Autobahnparkplätzen, die Benutzung der Landstraßen, Brückenzoll, das Betreten von Wanderwegen, das Schwimmen in Seen und im Meer, Eintritt in Parklandschaften, man denke an den Englischen Garten in München. Wer nicht am Meer und nicht in den Bergen wohnt, wählt einen anderen Modus, die Verbarrikadierung der Wohnumgebung. So stellen sie schon Mal dort, weit vor den Häusern Parkverbotschilder auf, wo eigentlich, bis dahin, sowieso kaum einer parken wollte. Die armseligen Eigenheimsiedlungen in Hessen, Rheinland Pfalz sind mit Schildern normalisiert. Kein ICH ohne Barriere, ohne Demarkation.

Das andere des Marktes liegt jenseits des westlichen paranoischen ICHs. Es fragt sich, woher kommt diese den anderen verbarrikadierende Extremfeindseligkeit des ICHs, das Sigmund Freud gelegentlich noch als positive Errungenschaft der Kultur gedacht hat.

 

11.10.2013 Was ist ein Auto?

Der Hamburger Psychologe Michael Thiel spricht im Radio Schleswig-Holstein davon, das Männer - angesichts einer Massenblitzkampagne der Polizei - Autos nicht selten benutzen, um ihr geringes Selbstwertgefühl zu erhöhen. Das zeigt, das bei aller Küchenpsychologie, hier eine verkannte Wahrheit ins Dunkel tritt. >>Auto<< lässt sich zerlegen in "autós" und "mobilis"; Das >>Selbst<<, um dessen Gefühl es bei Herrn Thiel gehen soll ist "autós" und eben in seiner Metonymie beweglich = mobilis. Ein Automobil ist das Selbst, daher der Erfolg dieser Maschine, so wie das Selbst diese Maschine eben selbst ist, während Affekte, Gefühle ganz woanders sind. Die Andersheit (altérité) im Selbst besteht darin, das sich das Genießen über den gegenläufigen Prozess fundiert. Genießen tritt dort ein, wo Kontrolle und Sicherheit abhanden kommen, was mit gesicherten Kraftfahrzeugen, deren Kraft in maximale Sicherheitssyteme von innen und über Vorschriften von außen verschränkt ist, gerade nicht oder nur noch weit abseits der moralisierten Legalität zu erzielen ist. Wenn ein 'Auto' den Selbstwert erhöht und sicher oder über Straßenverkehrssysteme gesichert ist, dann kommt es parallel zur Absenz des Genießens, das bestenfalls noch über riskante Manöver zurückerobert werden kann, die nun aber vom Automobil "automatisch", und von den wahnsinnig unwissenden, industriell bezahlten Zukunftsplanern der Gegenwart über Leitsysteme, Blitzsysteme, Leitplanken, ausgebremst werden. Dazu passt bedrohlich gut, das die Europäische Union den Landrover Defender verboten hat. Die kulturelle Botschaft, die Herr Thiel für uns erinnert, lautet: Genieße. Aber: Alles in der Kultur richtet sich dagegen, so das Du ewig weiter nach dem Genießen suchen musst, das Du immer weiter, immer neu das, was zugelassen ist, konsumieren musst, und doch kein reales, sondern nur symbolisches Genießen erhältst. Jedes Objekt verheißt das Genießen, während es zugleich immer mehr verunmöglicht, ja verboten wird. Autos dürfen nicht unsicher sein, Cola und Red Bull dürfen keine schädlichen Stoffe enthalten, Ordnungen dürfen nicht unangemeldet übertreten werden, Bischöfe dürfen sich nicht bereichern, das Selbstwertgefühl soll sich sicher und beruhigend anfühlen. Willkommen bei der angepassten, langweiligen, massentauglichen, ums Selbst zentrierten Psychologie.

 

 

Chiméres, Notre-Dame Paris; Bild aus der Praxis Sigmund Freuds, Berggasse 19, Wien

07.10.2013 Angst ohne Namen

Wenn der Mensch im anderen NICHTS findet, das ihn anschaut, das ihn in seiner Subjektivät stützt, das ihn für diesen anderen repräsentiert, dann geschieht das, was Dekompensation (des Ichs) genannt wird. Daraus ergeben sich zwei bis drei Wege: Das Subjekt steigert seinen Anspruch nach Anerkennung, Liebe und Wohlgefallen gegenüber dem anderen; das Subjekt fällt in namenlose Angst; das Subjekt verwirft den anderen. Vor Jahren saß ein Mann, ein Chef, ein progredienter Psychotiker, im Raum, mit dem intransigenten Blick, der jeden Signifkanten des anderen - das Kennzeichen der nicht immer schon ausgebrochenen Psychose - verwarf. An einem solchen Ort, in einem solchen Moment, kam man sie erfahren, die Angst ohne Namen, die sich zeigt, unverhüllt, wenn nichts einen Halt vermittelt, weil das Nichts, die Leere, präsentiert vom Prä- oder Postpsychotiker, als akephale Fülle - im nicht enden wollenden Monolog - selbst erscheint. In dieser Fülle, als einer Leere, gibt es keinen Platz für Subjektivität mehr, keinen Platz dem etwas mangelt, an dem man seine Subjektivität noch errichten könnte. Manchmal, in leisen Momenten, klirrt die Frage, ob Sigmund Freud - die psychologische Mittwochsgesellschaft beharrte auf sich selbst - selbst nicht derartige Momente hatte, die sein Werk zu modulieren suchte.

 

 

Gefesselter Teufel, Kirche Sankt Martin, Memmingen, Allgäu; unzugänglicher Chorbereich

11.09.2013  Worin die Psychologie sich zuweilen verträumt

Die Modernen waren wahnhaft verirrt in Tradition, Nation, Heimatlichkeit, Reinheit, Hygiene, Treue, Ehre, Gruppe, Herkunft, Abstammung, Moral, später sogar Weisheit, während sie reale oder lebendige Tote generierten. Am scheinbaren Ende wechselte die Verliebtheit zu Genetik, Wissenschaft, Evolution, Ökologie, Fleiß, qualitativer und quantitativer Empirie und anderem geordnetem Wahnsinn. Der erlaubte Wahnsinn der Vergangenheit hat in der Psychotherapieszene eine neu erscheinende Phantasie gefunden, die des >>authentischen, wahren Selbst<<, der >>Echtheit<< oder sogar die Idee des zu sich selbst gefundenen Ichs, eines integrierten - manchmal eingesporteten - Körpers, das in Überschriften Gipfelerlebnisse findet, die da lauten: "Gemeinsam Berge versetzen", auf dem Grund formuliert, man könnte mit den anderen, tatsächlich, so der lichterne Glaube, das eigene Selbst erfahren ("Selbsterfahrung"), was wiederum gipfelt in "Selbstheilung". Postmodern ist eines ungesichert, man holt sich mit manch einer Psychologie einen Engel ins Haus, dem man vielleicht besser einen Exorzismus angedeihen lässt. Keine Frage, die eingekauften Vorträge, Supervisionen, Fortbildungen und Seminare, gekauft von Siemens, Mercedes, der Bundeswehr, bis zum Kindergarten um die Ecke, erscheinen voll dieser strahlenden Bestätigungsparanoia, die aufschwimmen zwischen Selbstdisziplinierung, Selbstwertwiederfindung, Heilung, Ganzheit, Enttraumatisierung und Beruhigung, während die Affekte das tun, was sie eben tun und der psychotherapeutische Appell erscheint: Erlaube dir du selbst zu sein. Was sagt der Gegenwille: Danke nein, bin ein anderer nicht immer!

 

 

 

 

Giuseppe Balsamo, Alessandro Graf von Cagliostro

10.09.2013  Die zu wahre Wahrheit des großen Hexenmeisters

Ohne Vorsicht rührte Cagliostro, daran, realisierte, übertrug, was sich Wahrheit nennt. Wir sprechen, um den Wunsch, das ein Mangel sei und nicht mehr sei, der das Begehren, das einzige Élan vital erschafft, zu transformieren. Der Antrieb, immer wieder zu Sprechen, manchmal auch nur im Kleinen, will jene Alienation zwischen Wort und Exzess des Seins ebenso nichten, wie die absurdeste Tat dies versucht. Beide zentralen Wege ins mittige Abseits führen in die Frustration, in die Verbitterung, in die monologisierende Starre - wenn der Herr am Besprechungstisch sein dümmliches, wiederholendes Endlosgerede nur durch die jubelierenden Zustimmungen der Unterworfen erträgt -, in die Antriebslosigkeit, in die Freudlosigkeit oder in die reale mit Liebe oder Hass erfüllte Gewalt. Wenn man den steilen Nebelberg zum Castel Sant' Angelo im Montefeltro hinauffährt, wir sind in Italien, die eingemauerte Kammer auf dem Berg der Götter betritt, so liegen noch immer rote Rosen auf dem Holzbett, von dem der Blick einer fragmentierten Wahrheit in die Romanik hinunter gleitet (Graf Cagliostro, verstorben oder ermordet im Verlies von San Leo 1795).

 

1oo Mio Euro Yacht Maltese Falcon von Elena A., Monaco 2009

09.09.2013 Die Yacht, das Ich, die phantasierte Vereinigung

Das Ideal-Ich (moi-idéal) will die große Verheißung sein, im Bild der Ganzheit, Geschlossenheit, das Management der großen Strahlkraft, die Allmacht und Herrschaft. Dagegen ruft das Ich-Ideal (idéal du moi) eine zukünftige Botschaft hervor: Sei schlau, sei gerecht, sei anders, sei revolutionär, vervollständige mich, kümmere dich, sei fleißig, arbeite, heirate, bleib alleine, begrenze, genieße! In der Yacht (grandiose self) bildet sich jene versuchte Verschmelzung asymptotischer Natur ab, die, vom Konflikt zwischen Ideal-Ich und Ich-Ideal gefährdet, uns lehrt, dass das Ich in seiner Performance nicht innen, sondern außen ist und dem Phantasma der Ich-Stärke, diesem, zuweilen freundlichen Fundamentalunsinnstraum, erliegt.

 

 

Rundkirche von Montesiepi (konzentrischer Himmel), San Galgano, Italien 2005

16.08.2013 Das Verlangen nach einer >>konzentrischen Welt<< negiert sich durch die Überwindung des Vaters

Der konzentrische Himmel, con = Zentrum, der Mittelpunkt, das harmonische Verhältnis in der Symmetrie ist das, was erscheinen soll. Von dem Kontrast der Zwei ausgehend, beginnt ein Sprechen. Das Sprechen des Vaters eröffnet einen Weg für das Kind, aus der Eins, zur Zwei, zum Eigenen. Damit allerdings geschieht jenes Wunder, wenn der Vater sich auf dem Platz des Begehrens seitens einer Frau befindet, das ein Kind lernt den Mangel, den Verlust der harmonischen Hülle zu tragen und in den Raum der Asymmetrie einzutauchen. Es kann die Beschädigung der sicher geglaubten Identität verwinden und damit diese gewinnen. Merkwürdigerweise steckt unter dem konzentrischen Himmel auf dem Monte Siepi, in jener Rundkirche ein eisernes Schwert, angestrahlt von der Sonne, seit dem 12. Jahrhundert im Boden. In der Kirche befinden sich ein Paar abgeschlagene Hände, ebenso uralt, die bis heute aufbewahrt werden. Der Ritter Galgano, den die Träumer der Legende aus Britannien kennen, mag das Symbol sein, das zeigt, das der konzentrische Himmel uns nur als Traum nicht täuscht.  

 

 

Tacheles Berlin, 2011 (Nachtrag 2015: Das Tacheles war einer der coolsten Orte in Berlin. Es wurde 2014 einer New Yorker Vermögensverwaltung übergeben und ist somit nicht mehr.)

22.08.2013 Kriegsspielzeug oder: Wessen Spielzeug sind Radarfallen und andere Blitzer?

Auf der Suche nach dem geschlechtlichen Verhältnis begeben sie sich auf merkwürdig bizarre Wege. Die Firma Telefunken baute für die Nazis Radargeräte. Mit den Steuerelementen für die V1 und V2, jener Rakete der geplanten Massen- und Weltvernichtung aus Peenemünde auf Usedom, realisierten sie, was man Radar nennt. Kaum war der Krieg zu Ende, so galt es das Wissen einige Winkelzüge weiter zu verschieben. Nach Polizeimesse und Freundschaften im Innenministerium baute man 1958, Veteranen in freundlichem Einvernehmen, in Serienproduktion, Radarfallen. Damit konnte man nun - wunderbar und voll lustvoller Hingabe - auf Autos schießen, wie Pubertierende im Computerspiel, und so konnten die Väter, nach all dem Bösen, verschleiernd so tun, als schaffe man doch noch das Gute, bis heute ganz ungebremst: Verkehrssicherheit, das Spiel der zwanghaft sich erwachsen glaubenden. Nach dem fast exponentiellen Wachstum der aufgehübschten Schußanlagen hat sich bis heute mit keiner empirischen Studie nur annährend beweisen lassen, das es je auch nur einen Hauch von Verkehrssicherheit durch das ehemals so elementar massenmörderische Gerät gegeben hätte, was geneigt sein kann zu beweisen, das Phantasien etwas lange Überdauerndes sind.

 

Nachtrag: Laut ADAC wurde im Februar 1959 in der Nähe von Düsseldorf die erste Radarfalle angewendet. Es handelte sich um das Gerät VRG 2 von der Firma Telefunken. Heute erlaubt die Satellitentechnik auf der Basis damaliger Gedanken ganz andere >>Technologien der Dominanz<< über die anderen. Sicherheit, Prävention oder Finanzen sind das große Bla Bla der scheinbar Gebildeten die nun statt Panzer und Bomben andere Anwendungsgebiete finden. Der Leitsignifikant ist jener der Macht. 

 

 

14.08.2013 Bukranion, Aigikranion - Die notwenig überflüssige Gestalt

Die Psychoanlayse lehrt, der Leitsignifikant ist ein blöder Signifikant. Hornzapfen von Auerochsen, Ziegen, Urstieren, Hirschen oder Wisentkühen und anderem Getier erscheinen vor allem als eine Sinnlosigkeit für den Menschen, in der Sammelleidenschaft der Jäger bis heute, es könnte nicht anders sein, aus der jedoch jener Sinn hervorgeht, nicht nur Kraft, Fruchtbarkeit und Jagdglück, sondern Bedeutung im Nicht-Sinn, auf die der Mensch als ein ICH nie verzichten wollte, wie es sich im Valée des Merveilles, dem Tal der Wunder des ICHs, in nicht mehr zu überschauenden Bukranien an den Wänden der Felsen erinnert. Daher trugen sie die Hornzapfen samt Schädelplatten, das Schwerste vom Tier überhaupt, wie im jungneolithischen Bruchsal-Aue am Bodensee (38. Jahrhundert vor Christus), im rumänischen Uivar, im schweizerischen Arbon-Bleiche oder gar im anatolischen Catal Hüyük, über weite Strecken zu ihren Hütten, um das, was es nicht braucht, um so dringlicher, an den Hütten innen und außen, vor allem außen, zu befestigen, da das scheinbar Bedeutungslose, nicht nur der Nebenmensch in seiner Rivalität, den Menschen anblickt und eine machtvoll erwiderte Bedeutung als Potenz benötigt, was, vielleicht erst später, bis zu den Gräbern und Erinnerungsmälern reichen sollte, die uns nahezu überall, im Blick hinausgehend, anblicken, sich in hörnerartig gebogenen Giebelbrettern verdichtet, auf Kornspeichern aufrichtet, sich im Bukranion-Fries um Möbel und ganze Wohnräume windet, Bukranien überall, seit damals, verkettet von außen nach innen, nach außen.

 

Nachtrag: Die Berliner Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun weist in dem Artikel >>Die Hysterie geht an die Börse<< (Zeitschrift texte. psychoanalyse. ästhetik. kulturkritik., Heft 3, 33. Jahrgang, 2013, S. 93-116) auf Alfred Kallir hin (Sign. and Design. Die psychogenetischen Quellen des Alphabets. Berlin: 2002, S. 40). Kallir beschreibt, das die Striche im Dollarzeichen, im Pfund und im Euro verdrängte Signifikanten sind, also Stierhörner, überflüssig, aber Zeichen setzend.

 

 

Ermita de San Nicolás, Spanien, 2004

12.08.2013 ES täumte von den >>Grundbedürfnissen<<

Angeblich, so ein therapeutischer Wunder- und Heilsglaube, gäbe es Grundbedürfnisse. Das Menschenwesen benötige zu seiner Freude und Ausgeglichenheit Kommunikation und Kontakte, Beziehungen und Geborgenheit, Autonomie und selbstbestimmtes Handeln sowie eine sichere Identität, womit an sexuelle und soziale Eindeutigkeit gedacht wird. Damit das Denken nicht wieder einen Hustenanfall bekommt, sei gedacht, das HIER ICH und ES vereint gehen wollen, während in die Psyche zur Erettung derselben das Licht des ganz anderen einbricht, wie in eine dunkle Eremitenhöhle, denn das menschliche Leben realisiert sich doch aus einem Gegensatz, aus seiner Spaltung, womit man bei dem wahren Grund ankommt, der vom Bedürfnis früher oder später, nur in der Paranoia nicht, geschieden ist.

 

 

10.08.2013 Kultur als Jammern und Herrschaft

Der Kunstkritiker Robert Hughes schreibt 1994 die >>Nachrichten aus dem Jammertal<<, das er, zurück- und vorausschauend in Nordamerika verortete. Worauf geht das Jammern in der westlichen Welt zurück, wenn nicht auf kathartische Befreiung des Unwohlseins? Die Idee der Katharsis hätte schon mit den mittelalterlichen Katharern und ihrem Gegenwillen, der keine Krankheit sondern eine märchenhafte Erzählung war, ihre Frage aufwerfen können. Die Postmoderne nach 1945 entwarf die Idee des autonomen, selbständigen, reflektierten Menschen, dem die Wirtschaft die Produkte der Selbstberuhigung zur Verfügung stellte, als Auto, Rente, Wohnung, organisierte Reise, liebliche Musik, Welterklärung, Moralität und Partnerschaft. Die heute fünfzigjährigen Kinder der ersten Postmodernen sind zwar vielfach chronisch enttäuscht, nicht selten subtil und unbewusst feindselig, glauben aber, immer wieder darauf verweisend, nun an das Umsorgtwerden durch Mitgefühl, Liebe, Akzeptanz, Auffangnetze und Verständnis, während sich die Mittel der Selbstberuhigung langsam aber weitreichend ins Unbezahlbare und kaum mehr durch Liquidität zu Erhaltende verabschiedet haben, oder aber ihre Übersetzung als Banales, als das, was sich nicht langfristig mehr zu begehren lohnt, ein Blick auf die Vernunftautomobile der Gegenwart reicht aus, erfährt.  Was also passiert?  Wenn das Subjekt die durch den Großen Anderen, den Staat, die in Bürokratie versprochene Autonomie und Selbstberuhigung verlebt hat, dann wird es sich mit großem Gejammer an die Institution, den Großen Anderen zurückwenden, der signalisiert, das er alles tut, die Autonomie zu erhalten, und damit notwendig täuschen muss. Auf Seiten der Institution realisieren sich, worauf Slavoj Zizek immer wieder hinlebt, Herrschaftsformen durch Zwangscharaktere, vom Kindergarten bis zur Universität, aber auch Fluchtbewegungen und die Verbreitung von Techniken der Täuschung, was Psychologen vor wenigen Jahren als Mentalisierung erkannten, in einer Generation der Jüngeren, was sich in den Megametropolen realisiert, sowie Formen radikaler Unterwerfung unter autoritäre Herrschaftsformen in Unternehmen und Bürokratien. Die wirkliche Postmoderne, oder ihr Ende, bedeutet nicht das verwirklichte  autonome menschliche Subjekt und Bewusstsein, sondern das Reale und die Realität dreier Wunder: Herrschaft als Zwangsneurose in Produktion, Wissen, Geld, Diagnose und deren Wechsel in Verluste und Reorganisation; Unterwerfung als Dynamik radikalisierter, höchst machtvoller Anpassung und ameisenhaften Verhaltens; Genießen (Jouissance) als Dynamik der Verabschiedung des ICHs. Dazwischen siedelt gerade eine nur zum Schein neue Berufskompetenz: Risikomanagement.

 

 

Neunter Wiener Bezirk (Alsergrund)

08.08.2013   Arbeit und Aphanisis

Der Zwangscharakter, in großer Zahl bekannt, lässt arbeiten an der vorgeschriebenen, formalisierten Vervollständigung des Wissens und der Güter. Warum? Damit kein Begehren sei. Arbeiten Sie, arbeiten Sie weiter, arbeiten Sie mehr, nehmen Sie teil, bilden Sie sich weiter (dort, so wie ich es erlaube und finanziere), nur, begehren Sie nicht. Arbeite, aber sei nicht lebendig. Der Traum des alles Könnens, des alles Wissens, des alles Erklärens, der Vervollständigung und Vereinheitlichung im Namen des Herren, des Wissens, träumt sich dem Zwangscharakter, dessen Bürokratien und Formalien die Herrschaft übernahmen. Er plastert seine Wände mit DIN- und ISO-Zertifizierungen sowie den Tafeln für die Notausgänge, damit man die wahren Ausgänge verfehlt. Wer arbeitet, könne das Alles erlangen, während man das Sein verliert und das Begehren fast auslöscht. Während das arbeitende Wesen Mensch nach seiner Alles-Einheit in Haus, Auto, Formel, Schrift und Wissen suchend strebt, verliert es (was am Ende des Lebens sich in lichten Momenten erschließt) fast alles. Wissen und Waren, je mehr, je besser, fallen in unendliche Löcher, immer weiter, immer wieder, immer weiter so. Das, was der Zwangscharakter produzieren lässt, ist ein Verlust an Lust, ein Verzicht des realen Genießens, was gelingt, indem er sich auf die Seite seiner Moral, einer Ethik stellt, die für alle gelten solle, daher seine impulsartigen Empörungen über das Menschenwesen. Der Zwangscharakter schreit seine Anordung in die Welt: enjoy your job. Der einzige Pfad, dem er folgt, der Strich, auf dem alle gehen müssen. Deine Arbeit ist wichtig. Nimm teil an der wichtigen Aufgabe. Nur, verlasse den Pfad des Triebes. Genieße, wie ich befehle und sei dankbar. Der Gegenwille des 21. Jahrhunderts sind der Privatier und die Depression, während die Angepassten ins burnout fallen.

 

 

Niki de Saint Phalle, Place Igor Stravinski, Paris

30.07.2013 Die zwanghafte Lust am Bösen, Verknotungen des Ichs II

Das ICH konzentriert das Ungenügende, das Verfehlte, das Mangelnde, das Bedrohliche, das Inkompentente, das Böse im Außen, und in einer Drehung dann im Innen, durch das Außen. Man kommt aus dem ICH schlecht raus. Die Hypokrisie des ICHs kennt keine Grenze, lässt sich kaum inhibieren, außer durch das Begehren und die Erotisierung des Mangels. Das Böse, das gestoppte Begehren ist das iterative Gelingen des ICHs, gegründet auf seine letale Insitutionalität. Der Nimbus des ICHs verknotet sich in seiner vermeintlichen Stärke, es koinzidiert mit der abgewehrten ANGST.

 

 

 

29.07.2013  Das Ich in seinen Verknotungen

Das ICH verknotet sich in sich selbst im Modus des Narzissmus, um seine Einheit zu erhalten, wiederherzustellen, sich nicht stören zu lassen. Das ICH, als hartes Ding, strukturiert in Funktionen, will allzu oft, als selbst noch Erwachsenes, sich lieben lassen, vom Vater, die Andersheit des anderen und seiner selbst dabei verkennend, übergehend. Daher all die mit Sinn aufgelandenen Spiegelfechtereien in Rivalität der Rechthaberei und Besserwisserei. Ein Teil des ICHs ist abseits des Knotens, da-zwischen, neben der Verschlingung, ist nicht symbolisiert, ist unerträglich und immer nah. Wenn man zu lange auf das ICH schaut, das Schauen des Ichs schaut, das was einen da anblickt, zeigt sich das Unheimliche, das medusenhafte dieses Gebildes; das Unheimliche des ICHs versucht das ICH stets noch heimzuholen, abzuwehren, zu verdauen, zu harmonisieren, nicht zuletzt, in dem es versucht, agitiert, ein gefährliches Tier namens Manticora, das andere ICH indigniert oder, in extremis verliebt, zu nivillieren.

 

 

Millstatt am See, Österreich; Benediktinerkloster

18.07.2013 Dia der magisch-gefährliche Einheitslust

Patientengemeinschaft, Firmeneinheit, Wir-Gefühl, Prozessvereinheitlichung; Einem Baby fehlt, was sich als Einheit im Sinne einer Identität bezeichnen lässt und in der Kultur vorgefertigt dafür bereit liegt. Es weiß (noch) nicht, das es ein Baby (infans = ohne symbolische Sprache) ist im Sinne 'des gewesen sein wird'. Alienation ist das, was Entfremdung meint, was uns vom anderen, zumeist der Mutter, der Kultur, später von Vätern, Herren, Meistern, Vorgesetzen, Ideologien als Identität, corporate identity, als WIR verschrieben wird, hin zu Einheiten, die täuschen. Identität schreibt, zeigt, prozessiert sich immer vom anderen her, das sie das ist, was als Nichtverfügbares von denen, die sich nicht verrückt glauben, verfügt wird, als, im Effekt, das, was Herrschaft ist, die in ihrer erhaben erscheinenden Lächerlichkeit, als Seminar und Weiterbildung, als Schriftstück, als Veranstaltung, als Fernseh- und Rundfunkbeitrag oder Rede des verherrschten Chefs auftritt. In einer Klinik treten Patienten zur "Morgenrunde" an, Angestellte stehen wie Orgelpfeifen verpflichtet vorn, so geschehen im Allgäu; bei US wal-mart treten Angestelle an; Morgenappell bei der Bundeswehr. Die Einfalt kennt in seiner Einfachheit keinen Einhalt in seiner Einheitslust als Selbstbeherrschungsphantasie, Impulskontrollphantasie und Geschlossenheitsverlangen im Modus des zwangsneurotischen Vollständigkeitsverlangens. Die Separation, so nennt es sich, von denen, die sich nicht verrückt glauben, ermöglicht zu leben, zu atmen, zu sein. Somit gehen die Antworten, die das infans erhält, durch Spiegelungen, fehl, notwenigerweise. Doch was geschieht, wenn wir jemandem begegnen, der die Alienation nicht durchlief? Dieser glaubt, er könne der Wissende andere sein, führt Seminare durch, schreibt, befiehlt, ordnet an, beobachtet, prüft, und er lässt zur Aufstellung und Gefolgschaft kommandieren. Besser, vielleicht, man begegnet hier nicht zu lange in der paranoischen Vergegnung.

 

 

 

Santiago de Compostela, 2004

16.07.2013 Wer ist der andere?

Der Melancholiker glaubt an den anderen wie an ein ordentliches Paradies als die Fülle des ganzen Seins. Der andere nimmt die Form des Partners, der Firma, der Arbeit, des Sports, des Therapeuten, des Hobbies an, füllt das ICH auf und an, erfüllt, wird zum ICH, ordnet das Chaos, beseelt das Theater des ICHs. Nach einem Bruch beginnt die Wartezeit des Melancholikers. Worauf wartet er? Darauf, das er wieder an das Paradies im anderen glauben kann. Sein Leben hat der Melancholiker gegeben, in seiner Anstrengung, das sein geglaubtes Paradies, der Arbeitsplatz, der Partner, die Sportart, die Beziehung, die Eltern Paradies, Gral der Fülle des Daseins, Füllhorn, Erfüllung, Anfüllung bleiben. Der Melancholiker, füllt, in der Frühphase, die Wartezeit mit Zählungen, Tagebuchseiten, Literatur, Lesestoff, Sammlungen, messihafter Anhäufung und Arbeit. Nur in der Distanzierung kann man zugewandt bleiben und die Nähe als ein Mangel, als einen Verlust, als eine Angst erotisieren. Der Melancholiker wartet in der nahezu völligen Distanz des "ich brauche dich gar nicht, ich bin ich" auf den anderen, den er im Spätstadium nicht zulässt, denn dann, so sein Glaube, würde er die Distanz wieder verlieren. Jedes symbolische Leben organisiert sich um die Leerstelle des anderen, die er bleibt, wenn er ist. Man bricht auf, immer hin, hin zu dieser Leerstelle, die mit der Fülle verkleistert wird, auch wenn man sie Beziehung nennt, welche die Leere des Nicht-Sinns im anderen ins Exil treiben will. Die Phantasie des Melancholikers, es hätte den anderen doch als Paradies und Erfüllung gegeben, zerschellt an den scharfkantigen Steinen der Realität, da der Ort der seelenhaften Mangellosigkeit zisterziensischer Idealiät - der Traum träumt sich vom Architektenhaus bis ins kalifornische Slab City weiter -  auch im Melancholiker nie vorhanden war, was sein phantastischer Glaube leugnet.

 

 

11.07.2013 Vom UN-Sinn der Sprache

Wenn jemand spricht, wenn er nur spricht, wenden wir uns ab, ganz besonders wenn er lange spricht. Der Abstand, der im Sprechen geschieht, kann durch das Sprechen nicht überwunden werden, und je mehr er sich abmüht, je stärker positionieren sich die Fluchtideen, das Verlangen, das zu stoppen, zu unterbrechen, um nicht ganz zu brechen. Manch einer hört kaum mehr auf zu-..., mit dem Sprechen im Monolog. Wer spricht, denkt, kann denken, das dies das Richtige oder Falsche sei; Entscheidung, Fehlentscheidung. Wenn jemand exzessiv spricht, wie in der Paranoia, oder gar der Psychose, wenden wir uns häufig wieder hin, während es dann gar nicht mehr um das Sprechen geht. Der Traum des Menschenwesens ist, durch sein Sprechen oder Schweigen, durch Schweigen in der Sprache, die blaue Blume des Seins wieder zu erlangen, dem blauen Pferd jener Künstlergruppe, den blauen Reitern vom Blauen Land, Kochelsee in Bayern, doch noch zu begegnen. Dies geschieht jedoch nicht dort wo gesprochen oder geschwiegen wird, sondern wo sich das Subjekt zu sich hin verliert in dem was nichts bedeutet und in nichts bestimmt ist, was einen höchst gefährlichen Akt darstellt, dem alle Wünsche und Abwehrmechanismen zuzusprechen scheinen, und der, letztlich, fast reinste Magie ist. Anders in der Neurose: Hier spricht sich - "Siehe, es bedeutet etwas". Dies manchmal, wie oben gedeutet, bis deutlich wird, das es nichts bedeuten kann, womit die Tragödie der Abwehr ihren Einsatz hat.

 

 

Lumières de Église Saint-Pierre de Montmartre, 2006

10.07.2013 Photographie, Die Langeweile im Wahnsinn

14,4 Millionen Digitalkameras produzierten sich im ersten Quartal 2013. Roland Barthes weist in >>Die helle Kammer<< schon 1980 drauf hin, das die ganzen Photos, so wie ein Universitätsstudium in der Mehrzahl aller, nur durchschnittliche Gefühle erzeugen. Das durchschnittliche Gefühl im Realen scheint das Symptom des Westens, das Symptom der Digiknipser zu sein. Die einfache Hingabe an eine Sache, das leichte Gefallen an jemandem, eine Überdosis an allgemeiner, leicht gehaucht beflissener Beteiligung, bei verworfener Heftigkeit. Zwei Falllinien, aus dem allgemeinen Affekt, der gemäßen Langweile und des Überdrusses heraus, zeigen sich in der Photographie. Die eine fasst die exzessive Suche nach dem absoluten Objekt, wie es die Schärfefanatiker visitieren: Hasselblad H, Leica Monochrome, Sigma DP Merrill. Die andere Fallsucht geschieht im völligen Verlust des Objekts, das durch eingefrorene Zeit zurückkehrt: Lochkameras, endlose Belichtungszeiten im Großformat, die Wiederkehr des mittelformatig Monströsen in der Mamiya RB67. Im Fall skandiert ES das Allgemeine, so Barthes, wenn er lateinisch >>punctum<< spricht, denn hier beginnt die wahre Reise in den Wahnsinn, wo sich die Langeweile selbst zum Objekt nimmt. Skandierung, punctum, Verletzung, Querung, Absenz des höflichen Interesses. Das, was auf der Falllinie ist, lässt sich nicht 'gut finden', es ist reiner Exzess, nicht 'studium', sondern Selbstverlust, Denkverlust, Negation des Wohlverhaltens und gelegentlich geschieht es dann doch wieder, die Flucht in die Präsenz der Langeweile im Wahnsinn.

 

 

08.07.2013 Gewissheit, Ganzheit, Mord - Christine und Lea Papin

Am 2. Februar 1933 stürzten sich die beiden Hausmädchen Lea und Christine in Le Mans auf ihre zurückkehrende Herrschaft, Madame Lancelin und ihre Tochter, bewaffneten sich mit einem Küchenmesser, einem Hammer und...töteten die Mutter und deren erwachsene Tochter. Lea riss Madame Lancelin die Augen heraus und schleuderte sie auf die Holzdielen. Das System Lancelin war ein vollkommen geschlossenes Herrschaftssystem. Christine und Lea durften nicht ausgehen, mussten sich den Lancelins nahezu vollständig unterordnen, durften keine Männer kennenlernen. In der Sprache der Psychologie: Sie durften kein eigenes Begehren entwickeln. In dieser Paranoia der gewissen Ganzheit im Denken einer Herrschaft, der zur Vollständigkeit überhöhten Gewissheit konnten Lea und Christine den Platz der Subjektivität nur noch in der erotischen Liebe zueinander finden, die zugleich den Platz der Aggressionabfuhr verstöpselte . So brach an jenem zweiten Februar der Trieb durch und vernichtete in einem Exzess den bösen Blick der  Lancelins, der als Blick, immer eine gefräßige Ganzheit darstellt. Auch rhizomatische Kulturen der Gegenwart enthalten ihre kleinformatigen Ganzheiten voller paranoider Gewissheit, in Familien, Beziehungen, Firmen, Behörden, in wissenschaftlichen Paradigmen, State of Art genannt, in denen der Platz der Subjektivität gelöscht ist, womit sich die Subjektivität woanders hin verschieben muss, um die entstehende Aggressvität zu metabolisieren, was keinesfalls immer möglich ist und allzu oft zu den Ungunsten der anderen geschieht.

 

 

Abbaye Saint-Martin-du-Canigou, Pyrenäen, Frankreich

05.07.2013  Was ist ein Chef?

Die Hay Group hat 95.000 Führungskräfte in rund 2.200 Unternehmen befragt. Bei aller, weit entfernter Validität und Reliabilität,  bildet sich doch etwas ab. Die Unternehmensberater glauben, was sie vielleicht angesichts imaginäer Phantasien glauben müssen, Chefs seien dafür da, die Mitarbeiter zu motivieren. Dieser Selbstlegitimierungsversuch rutscht zielförmig in jene Gegenwelt, die der ungeliebten Wahrheit näher zu sein scheint. Chefs haben mit Motiviation im Grunde nichts zu tun, es sei denn in einem histrionischen Diskurs, durch den sich hunderttausende Chefs in aller Welt selbst beschädigen. Sehr viel mehr, im Grunde überhaupt, haben sie etwas, hier enthüllt die Studie das, was lange schon enthüllt war, mit Demotivation zu tun. In Deutschland, so die Studie, sorgen 49% der Führungskräfte für Demotivation, in Italien gleich 70%, in Japan 73%. In der Psychologie gilt nur ein einziger Diskurs als demotivierend, der des Zwangsneurotikers. Der Zwangsneurotiker klammert sich an Scheinkausalitäten, an Zahlenwerke, Zielzahlen, Kennzahlen, Leistungszahlen, Berichtszahlen, ISO-Werke, Prozessfestschreibungen, Gartenzäune, Arbeitszeitmodelle, gezählte Veröffentlichungen, aufgezählte Auslandsaufenthalte. Der Zwangsneurotiker erzeugt eine Vielzahl zwanghaften Wissens, Zählungen, Monologe, Zeitvernichter, tote Räume. Dabei stellt er immer wieder fest, das er die anderen nicht in den Griff bekommt. So gibt es Wechsel, Fluktuation, neue Regeln und Gesetze, Ordnungen, Leitbilder, Hospitationen, Dummes, die Hysterischen bleiben und verleihen dort Lebendigkeit, wo der Zwangsneurotiker den Tod positioniert. Alle stellen sich auf, ganz vorne, Bitte sichtbar, so der maligne Zwangscharakter, der die Grenze der Neurose überschritten hat.  Ein wachsendes Unternehmen füllt sich mit Zwangsneurotikern, die Hysterischen bleiben in seiner Nähe. Das ein Unternehmen trotzdem weiter unternimmt, ein Wunder, liegt an jenen, die insgeheim gegen die Zwangsneurotiker kämpfen, die immer mal wieder das Unwahrscheinliche produzieren, realisieren, bis sie irgendwann gehen, während das Territorium des Herrn zum Sektierertum mutiert ist, in dem sich die histrionischen Charaktere stets zuhause gefühlt haben.  So sehen fast alle Autos gleich aus, so steht in vielen Schriften fast immer dasselbe, daher ähneln sich die architektonischen Räume und Einkaufstempel, daher denken viele Professoren vollkommen vergleichbar, daher wird in den meisten Kliniken vergleichbar behandelt, daher findet man immer wieder dieselben Hausordnungen. Der Gegenwillen, die stärkste, leidenschaftlichste Motivation, macht sich auf, wonaders hin, nur weg da. Trotzdem und gerade aus ihr produzieren Zwangsneurosen im Verbot die Zustände des Genießens

 

 

Asmodeus erblindet; Rennes-le-Château, Südfrankreich 1994

04.07.2013 Die Hochzeit von Phantasie und Paranoia

In der Paranoia glaubt ein Mensch, irgendeiner, das, zum Beispiel hinter den sozialen Normen, den Begegnungen, ein echtes Gesetz, eine unfehlbare Regel liegen würden. Eine besonders beliebte Paranoia unserer Zeit ist die feste Meinung, die glaubt ein festes, konsistentes Wissen zu sein, das menschliche Wesen den unerschütterlichen Wunsch nach Beziehung, Kommunikation, Bindung oder Begegnung in sich tragen. Alles, was im Sozialen so passiere, trage den Stempel der Beziehung und Begegnung, des Wunsches und der zuweilen traurigen scheiternden Beziehung, so das irrlichternde Wissen in der Paranoia. Unterhalb des chaotischen Beziehungstrubels habe der liebe dunkle Gott oder die Evolution oder das Weltgesetz der Beziehung und Kooperation den Code, das Gesetz der Bindung in das Wesen des Menschen eingeschrieben. Die Dinge seien nicht rechtens, würden immer wieder schief gehen, weil die Menschen gegen dieses eherne Gesetz verstoßen, es nicht hinreichend beachten würden, aus Selbstsucht, Angst oder Unfähigkeit. Die Bindungsprobleme (Beziehungsprobleme) rührten also daher, das Menschen mit dem ehernen Gesetz (Bindungswille) nicht gut umgehen würden. Selbst ordentliche psychologische Therapeuten werben längst, auf jugendlich strahlenden Bildern, mit der authentischen, der wahren und respektvollen Beziehung, ein fast engelsgleiches Angebot direkt aus dem Himmel aktueller Heilserwartungen und -wünsche. Warum brauchen wir oder mindestens so viele Menschen diese Phantasie, die auch in zahlreichen Psychotherapien seitens der Behandler zielsicher auftaucht? Das Symbolische in der Paranoia erzeugt sich eine Phantasie, die eines allgültigen Gesetzes, noch weiter abseits aller ungültigen Induktionen, weil das Reale, der Grund des Zweifels an sich, der Zweifel selbst, in der Paranoia unerträglich ist. Das Reale ist, wie Slavoj Zizek, an Jacques Lacan orientiert, sagt, nicht die Realität, sondern die Leere, das, was jede Realität unvollständig und brüchig macht, das, was sich als Inkonsistenz im Gesetz selbst immer wieder abbildet und einschreibt. Diese Leere, die immer und überall ist, weil nichts sich eignet, die Leere vollkommen und absolut zu verdecken. Der Paranoiker arbeitet an der Welt. Das ist auch der Grund, warum die Paranoiker in ihren immer größeren Phantasien mit den Lebensjahren immer euphorischer, humoristischer, zynischer, parallel verzweifelter und aggressiver zugleich werden. Ihre 'letzte' Realität besteht nur und immerhin aus Phantasmen, die sich auf zu enge Weise mit der Gewissheit verheiratet haben und so das Paar der Paranoia bilden.

 

 

03.07.2013 Der schwankende Kompass, der zuweilen zu wenig irritiert

Le Séminaire  livre VI. ist erschienen, in Paris. Ein Kompass weist in die Richtung, die täuscht, manchmal zu unseren Gunsten. Man kommt nicht an, im Symbolischen, im Realen jedoch allzu oft und zu direkt. Das Denkmal von Flavio Gioia in Amalfi steht an jener Küste, die von Untiefen, schon vorab besetzten Buchten, Strömungen, steil abfallenden Felswänden und, an der Punta Campanella, von fast erhabener Einsamkeit und Freiheit heimgesucht wird, womit wir wieder bei dem Kompass wären, der täuscht.

 

 

 

Cloak of Conscience (1997), Anna Chromy; Keitum/Sylt

01.07.2013 Die Nicht-Genarrten irren

Alain Badiou & Élisabeth Roudinesco (2013). Jacques Lacan. Gestern, Heute, Dialog.

Die Psychoanalyse ist keine Theorie der Heilung, sondern das Loch in der Normalität, die Abjektion, die Erinnerung an den primordialen Abgrund. Die Nicht-Genarrten postulieren die fortgeschrittene Beziehungsfähigkeit, den guten Rat des Vaters, des Arztes oder Psychologen, verkennen dies als eine Emanzipation und versammeln sich im >>Aufruf zur psychosozialen Lage des Landes<<. Hier geschieht dem Denken ein starker Husten.

27.06.2013 LA MER, C'EST MOI

Vor dem Schloss von Versailles steht im Sommer eine drei Kilometer lange Menschenschlange. Das Heft Mare No. 97, April/Mai 2013 schreibt über Ludwig XIV., von seinen Ansprüchen auf die Welt. Wie der Mensch sich mit Gewissheiten vollpumt, so pumt die Machine de Marly das Wasser der Seine in die artifiziellen Seen und Kanäle des Sinns, um die Leere und die Unordung durch den Park zu vergegenwärtigen und im Abseits zu externalisieren. Während der König das Äußere, den Park ordnen ließ, kehrte die Unordnung, der Exzess im Inneren, in den großen Vergnügungen von Versailles wieder. Keine äußere Ordnung ohne inneren Exzess, kein innerer Exzess ohne äußeres Äquivalent. Wo Beziehungsfähigkeit eintrainiert wird, kehrt das Chaos ebenso zielsicher und unerwünscht in leisen Schritten mit großer Macht zurück. Das Universum hat Ludwig XIV. nicht einnehmen können. Es ist ihm nicht mehr gelungen, den Schlosspark mit dem Atlantik verbinden zu lassen.

 

 

 

Hospital de Sant Julia Besalú, Spanien

24.06.2013 Die Glaubensrichtung des Zwangscharakters

In der Zeitschrift 'texte', Heft 3, Jahrgang 2012 vom Wiener Passagenverlag findet sich ein kleiner Artikel: "Überlegungen zum Zwang".

Die Zeitlichkeit der Gegenwart meidet die Rede vom Zwangscharakter, so zeigt sich hier eine seltene Besonderheit. Ich meine, der Zwangscharakter, er scheint überall zu sein, er glaubt an die Autonomie, an sein eigenes Denken, an seine Gedanken und an die Beherrschbarkeit psychischer Vorgänge. Daher imponiert den ärztlichen und psychologischen Zwangscharakteren die operationlisierte psychodynamische Diagnostik (OPD/OPD-2) auf eine ganz besondere Weise. Das ungeschlechtliche Wesen des Zwangscharakters will den Unterschied der Geschlechter, ihr unterschiedliches Genießen als die große Lüge der Welt entlarven, damit er sich selbst seine Abwehr des sexuellen Begehrens erhalten kann. Von einer mütterlichen Person vollkommen idealisiert, trägt der Zwangscharakter das Verlangen in sich, den Wunsch der Mutter zu erfüllen, etwas zu sein, eine Bedeutung zu erlangen. So wird er eine Person sein wollen, die etwas Wichtiges zu geben hat, wenn die Abwehr geringer, kaum oder garnicht mehr ausgeprägt ist, wird er Künstler sein wollen, wie Michelangelo Buonarroti, dessen römische Pietà das Mütterliche vollkommen zugunsten des Erotischen verloren hat, um die Leidenschaften des anderen in Gang zu bringen und das traumatische Geschehen abzubilden, hörbar zu machen, durch das, was sich hören oder sehen lässt. In den seltenen, häufig unter starkem Stress nach Eintritt verlangenden lichten Momenten spürt der Zwangscharakter, das unter den Falten seiner Kontrolle sehr verbotene Phantasien herumkrabbeln. Dort hasst er das Feminine ebenso, wie die Schwäche des Vaters, mit der er sich auf die intimste Weise verbunden hat, in deren Folge er sich als ein Starker, der beseelt vom vermeintlich Besonderen, dem Wichtigen, der Sache, erstrahlt, und so versucht, den Glanz im Auge der Mutter in den ersten Jahren zu reaktualisieren. So tut der Zwangscharakter alles, damit die reine, reelle Körperlichkeit von ihm abfällt. Ein erster Schritt auf dem Weg zum Zwangscharakter ist es, sich bei der Benutzung des Fahrrades mit einem Helmchen zu bekleiden; wer diesen allzu kleinbürgerlichen Weg scheut, könnte es als Topmanager versuchen, wenn er denn zugelassen wird. Alles Weitere geht dem voraus oder folgt ihm nach, im Sinne des Wortes. Das Maskuline zwingt uns mit keinem Wort, nicht zu denken, das es nicht auch Frauen mit einem Zwangscharakter geben würde.

 

 

 

21.06.2013 Vom Wesen des Hässlichen

Das Hässliche wird nicht Hässlich aufgrund von Hässlichkeit, sondern wird verhässlicht durch den anderen, der sein Begehren nicht erträgt. Der Zwangscharakter liebt die personifizierte Hässlichkeit, aber er begehrt sie nicht. Daher muss er den anderen verhässlichen. Umso einfacher, wenn der andere dies gleich selbst tut. Der Zwangscharakter verunstaltet den anderen, in die Richtung der Ablehnung, aufgrund der Hässlichkeit, oder in die Richtung der Kälte, als die Realität des Unnahbaren. Er zieht seiner Frau die Stumpfhosen von Pippi Langstrumpf an, mit bunten Ringeln und Gringeln, was zwar liebenswert aber nicht begehrenswert erscheint. So liebt er, was er nicht begehrt, was ihm nichts produziert, was er uneingeschränkt besitzen kann, weil es kein anderer will. Manchmal spielen die anderen nicht mehr Pippi Langstrumpf und manchmal wollen sie nicht mehr die stumme, unnahbare Eiskönigin sein. Dies nennt man im Abendland die Auferstehung der Toten.

 

 

Mezquita-Catedral de Córdoba

19.06.2013   Die Vaterfiguren und ihr Wanken

In der Zeitschrift >>RISS<<, Heft 79, 2013 vom Wiener Verlag Turia + Kant findet sich der kleine Text >>Ödipus driftet ab<<.

Der letzte große Vater war, vielleicht, Sigmund Freud. Er legte die Regeln fest, ohne das er selbst im exzessiven Genießen, im Traum vollständiger eigener, potentieller Befriedigung auf Seiten der anderen verschwand. Als Arzt, Denker und Rationalist wurde Freud zum Urvater der Psychoanalyse. Stalin, Hitler, Mussolini, Franco verschwanden in der Paranoia ihrer Gedanken und dem aggressiven Exzess im Tödlichen. Keiner dieser Männer wurde mehr, nach ihrem Tod, durch einen Urvater im psychoanalytischen Sinne ersetzt, keiner von ihnen konnte den Platz des Vaters, wie es Könige vor ihnen taten, häufig weniger gewalttätig nur aufgrund der eingeschränkten technischen Möglichkeiten, überhaupt einnehmen. Der patriarchale Monotheismus weist überall Löcher, Risse, Abrutschstellen im postmodernen einundzwanzigsten Jahrhundert auf. Das muss man nicht bedauern, bilden sie doch die Bruchstelle zum Sein.

In der Postmoderne wirken die Männer, die es noch versuchen, den Platz des Vaters einzunehmen, vollkommen lächerlich. Man denke nur an die Vorstandsvorsitzenden der großen und kleinen Unternehmen, die Personen in der Talkrunde von Anne Will am Sonntagabend. Ihre Gewissheiten im Denken, im Sprechen, entpuppen sich schon nach wenigen Worten als anmaßende Lächerlichkeiten, groteske Figuren, die entweder dauerhaft vor sich hinschweigen, scheinbar alles besser wissen oder endlos dahinsprechen vom Immergleichen, dabei etwas erzeugen, das sich Langeweile nennt, das in jeder Hinsicht ungenießbar erscheint und das triebhafte Begehren auf einen Nullpunkt treibt, so, als würde es ein solches garnicht geben.  Die Söhne identifizieren sich nicht mehr mit den Vätern, sofern noch ein Mann in der Nähe ist, gehen und geistern suchend durch ihr Leben, als dreißigjährige oder vierzigjährige Teenager, hier ein Abenteuer, dort eine Begegnung, auf der anderen Seite eine kurze, intensive Liebe, dazwischen einige Bastelarbeiten an der Skiausrüstung, dem Computer oder der Harley, vielleicht ein Kampfsportkurs oder ein Marathonlauf.  Einige Söhne werden auch zu perfekten Müttern, versorgen die anderen, binden sich hoch emotional an ihre Kinder, die sie nur noch selten zu sehen bekommen, da die Frauen längst auf und davon sind, sich mal wieder annähren, um wieder entschwinden zu können. Die Töchter müssen sich, weil es die Herrschaft des Vaters nicht mehr gibt, aufrichten. Sie tun das, nicht ohne ganz viel Angst und Vorsicht, an den Universitäten, in der Sexualität oder in den Ausbildungsgängen. Die Angst vor Fehlentscheidungen bleibt ihnen jetzt erst recht. Man probiert die gleichaltrigen Jungs, die etwas älteren Jungs, die jüngeren Jungs aus, die sich scheinbar aus der Pubertät nicht lösen können, dann die älteren Männer, welche jegliche Angst scheinbar im Griff haben, aber vor lauter Augenhöhe und scheinbarer emotionaler Gleichberechtigung nach kurzer Zeit tödlich langweilen, denn die teuren Abenteuer am Genfer See und anderswo sind nicht lange reizvoll. Die Töchterfrauen durchschauen das alles schnell, wissen aber weder ein noch aus. Bald wissen sie, das aus dieser Tragödie eine Position resultiert, die lösgelöst von der Position des Mannes erscheint. Die Tochterfrau verzichtet auf den Mann, der in beiden Positionen, als pubertierender Sohn, als älterer Mann, nicht verspricht, was gesucht wird. Das Gesuchte wird mit dem mystischen Begriff LIEBE, oder weniger mystisch, mit dem dunklen Wort Beziehung umschrieben. Frau sucht sich eine Freundin, eine Beste, DIE Freundin, bis sie, manchmal, Mutter wird, und dann, als Verlassene, da die anderen Position schon verabschiedet wurden, allein bleibt mit dem Kind, und manchmal, oft, auch mit ihrer Mutter, gemeinsam; zwei leidende Schicksalsgenossinnen. In diesem Alleinsein verbinden sich Mutter und Tochter in einer Koalition der Verlassenen in Liebe und Hass, beide, die mit den in der Pubertät befindlichen Männern so wenig anfangen können, außer zu schwärmen, wie mit den kleinen älteren Vätern in ihrer Selbstgewissheit. Alleinsein mit den Söhnen ist freilich, für die Frau als Mutter, kompliziert, da diese Söhne nicht mehr wissen wohin mit ihren Aggressionen und den Ausweg in die Selbstdestruktion oder den Weg zum kleinen paranoiden Herrscher wählen, erst recht wenn sie erst groß sind. Einen Ausweg braucht man nicht vergessen, wo er so geliebt ist. Das Abseits der Vaterfigur fördert die produktive Arbeit als Möglichkeit der übermotivierten Arbeitssucht, dem Verlangen es im Griff zu haben, dem Arbeiten als Exzess, bis der Körper beginnt zu streiken, bei all dem schnell schnell, rasch rasch, viel, viel mehr, alles, für die anderen, die Kunden, die Klienten, die Patienten,...der Körper produziert sich über die Linie der Jouissance, breitet sich in seinen Symptomen aus, unbefriedigt, unzufrieden, bitter, mit dumpfem Tinnitus, zuckenden Muskeln, entzündeten Gelenken, völliger Erschöpfung und dem Wort: Das alles war es nicht; das ist es nicht gewesen; das kann es nicht sein; so geht es nicht weiter (weiter wohin? zum Vater, dem geliebten und verhassten, dem entwerteten, dem enterotisierten Wesen, das selten, leider, lächelt wie die Blumen?).

 

 

Reales Alcázares de Sevilla, Spanien

17.06.2013 Warum Liebe?

 

Die Liebe repräsentiert den anderen nicht als den ähnlichen oder gleichen, sondern als den ganz anderen, den unerreichbar, unverstehbar völlig anderen.

 

Für den Mann, sofern er irgendwo zu finden ist, läuft das Begehren über die Frau als Objekt. Frauen gefällt das allgemein nicht; das Schiff schwankt und sinkt, wenn die Linie >>ich will kein Objekt sein<< zum Hass sich transformiert, auf ihn. Für die Frau ist der Mann nicht Objekt, sondern Ur-Sache ihres Begehrens. Das Wort Objekt führt bei der Frau zum Status der Königin, "nein, das bin ich nicht, sondern...ich bin zu hören...zu fühlen, zu halten...". Im seltenen schizoiden Modus: Ich bin für niemanden. Abseits des Seltenen, daher das Sprechen im Femininen über das Da-Sein, die Gefühle für das Nicht-Sein, das Begehren gehört zu werden, gesehen zu werden, manchmal gar das Begehren verstanden zu werden, obwohl man sich selbst nicht versteht, das sprechen über das was fehlt, was dem anderen mangelt, da wir Menschenwesen nur verstehen können, und selbst da nicht absolut, was sich im Objektstatus befindet. Im Diskurs der Wissenschaft zirkulieren Objekte, nicht Menschen, nicht die Psyche, sondern Funktionen, die man einem Objekt zuschreiben kann oder die ihm, manchmal in fataler Weise, fehlen oder denen es daran mangelt. Würde der Mann nicht mehr die Ur-Sache des Begehrens der Frau sein, dann wäre ihr Begehren gelöscht. Männer, die erreichbar sind, brav zuhören, Verständnis zeigen, mitfühlen, mitgehen, mit-ihr-sind, nicht der andere, der ganz und gar andere sind, errichten genau das, was sie am wenigsten wollen, die Liebesmauer zwischen Mann und Frau. Die Liebe dagegen fügt aneinander, was ganz und gar nicht wie ein Puzzel sich zueinander einpasst.

Adresse

Dr. Robert Prasser-Klaus 

Nordfriesland

Tönning und Sankt Peter-Ording

 

 

 

 

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